„Mosaik“ – Das Magazin und Regesten

Titelbild des Magazins Mosaik vom Oktober 1947. Die Titelbilder des großformatigen Magazins waren stets gezeichnet und immer jahreszeitlich gebunden. Sie waren auffällig unpolitisch gehalten, hatten rein dekorative Funktion und standen in einem gewissen Gegensatz zum breiten Themenspektrums des Inhalts. (Bild: Privates Julius und Annedore Leber-Archiv)


Das Magazin „Mosaik“ wird vom privaten Julius- und Annedore-Leber-Archiv freundlicher Weise digital angeboten. Auf dieser Seite informieren wir über diese Quelle, geben eine kurze Einführung und ermöglichen mit Regesten, den Inhalt der einzelnen Hefte zu erschließen.

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Das Magazin Mosaik

Frauen waren in erster Linie die Adressatinnen des Magazins Mosaik. So wie ein Künstler aus vielen kleinen Steinchen ein Bild forme, so wolle das Blatt „aus der Buntheit und Wirrnis der Tage, aus der Mannigfaltigkeit gerade des heutigen Frauenlebens in Wort, Bild und Farbe, ein Ausdruck unserer Zeit werden.“ (Mosaik 1, 1947, o.S.) Sehr früh, schon im Oktober 1947, erschien die erste Nummer dieser Zeitschrift, die Frauen ermuntern sollte, aktiv an der Gestaltung des neuen deutschen Staates mitzuwirken. Monat für Monat mischten sich Information, politische Bildung, Unterhaltung, Literatur mit höchst praktischen Fragen wie einem Fahrplan durch die Kinderkrankheiten (Mosaik Mai 1948).

Man wolle diese „Zeit anpacken“ und genauso pragmatisch wie es klingt, so war es auch gedacht. Man wollte Lust am Aufbruch vermitteln.

Jedes Heft begann mit einer Seite politischer Meldungen aus aller Welt und aus Deutschland. Es folgte die Rubrik Wir diskutieren z.B. über Gewerkschaften (Mosaik Jan. 1948) oder über die Frage Warum bin ich in meiner Partei? (Mosaik Mai 1948).

Neben Leber selbst schrieben hier die Akteure der Berliner Nachkriegspolitik wie Ernst Reuter, die darüber hinaus Essays verfassten zu Themen wie Über die Freiheit (Mosaik Nov. 1947) oder über Politik und Gewissen (Mosaik Nov. 1947). Natürlich durfte zum Jahrestag des Attentats ein Artikel über den Widerstand nicht fehlen: Vor vier Jahren. Der Hintergrund der Verschwörung gegen Hitler und letzte Briefe (Mosaik Juli 1948). Er stammte aus der Feder von George Bell, des Bischofs von Chichester, ein Freund von Dietrich Bonhoeffer und Gerhard Leibholz und einer der wenigen Unterstützer des deutschen Widerstands in Großbritannien.

Den Leserinnen wurden zudem gezielt Vorbilder präsentiert u.a. mit der Biographie einer der prominentesten politisch aktiven Frauen der Zeit, Eleanor Roosevelt; aber auch die Betrachtungen über Parlamentarierinnen, die Annedore Leber anstellte (Mosaik 3/1949) dienten diesem Zweck, oder die Besuche bei den Gattinnen der alliierten Repräsentanten Mrs. Clay (Mosaik Okt. 1948), Lady Robertson (Mosaik Nov. 1948) und Madame Koenig (Mosaik Dez. 1948).

Probleme, mit denen Leber als Politikerin konfrontiert war, griff sie als Herausgeberin auf, hier vor allem die schwierige Situation der vielen Kriegerwitwen. Wie konnte den alleinerziehenden Frauen, die gezwungen waren, zu arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, aber oft viele Kinder hatten, geholfen werden? Eine praktische Lösung bot der Artikel Frauenstadt – Frauenstaat? (Mosaik Juni 1948), in dem ein Architekt einen Stadtteil für Frauen entwarf. Dieses Bauprojekt als soziale Hilfsmaßnahme sah eine für uns höchst modern anmutende organisierte Wohngemeinschaft für alleinstehende Frauen mit Kindern vor, in dem Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Kinderbetreuung nah beieinander liegen sollten.

Den Verkauf befördern sollten sicherlich die jedem Heft beigelegten Schnittmusterbögen, Annedores altes Metier, und Texte wie der Modebrief aus New York (Mosaik Jan. 1948), der Vorschlag Gestrickt und gehäkelt (Mosaik Feb. 1948) und die Forderung New look für alle (Mosaik Dez. 1948). Im Sommer 1949 erschien die letzte Nummer der Zeitschrift. Warum der Betrieb eingestellt werden mußte, ist nicht ganz klar.

Regesten

Hier werden die einzelnen Ausgaben der Zeitschrift Jahr für Jahr aufgeführt. Klicken Sie auf die jeweilige Ausgabe, um direkt zur Online-Version der Zeitschrift zu gelangen. Der Inhalt der jeweiligen Rubriken wurde im Folgenden kurz zusammengefasst, um vor dem Lesen einen Überblick zu ermöglichen.

Index

1947

Mosaik – Oktober 1947
Mosaik – November 1947
Mosaik – Dezember 1947

1948

Mosaik – Januar 1948
Mosaik – Februar 1948
Mosaik – März 1948
Mosaik – April 1948
Mosaik – Mai 1948
Mosaik – Juni 1948
Mosaik – Juli/August 1948
Mosaik – September 1948
Mosaik – Oktober 1948
Mosaik – November 1948
Mosaik – Dezember 1948

1949

Mosaik – Januar/Februar 1949
Mosaik – März 1949
Mosaik – April 1949
Mosaik – Mai 1949
Mosaik – Juni 1949
Mosaik – Juli 1949

1947

Ausgabe: Oktober 1947.

28 S.

„Welt-Mosaik“:

  • Außenpolitik: kurze Nachrichten überwiegend aus Europa, Maßnahmen der Alliierten, Beschüsse der Vereinten Nationen, z.B. auch Teilungsplan für Palästina.
  • Innenpolitik: z.B. Prozess gegen die IG-Farben-Direktoren, Lebensmittelrationen, SED-Parteitag.
  • Wirtschaft: z.B. der neue Industrieplan für die Bizone, Demontagen in der Ostzone.

„außer der Reihe“:

  • Statement außer der Reihe im ersten Heft: Was will Mosaik? Es will „ein Ausdruck unserer Zeit werden.“

„Er und Sie“:

  • Vater und Tochter, von Gisela Ulrich
  • verschiedene nationale und internationale Beispiele mit Vorbildcharakter

„Essay“:

  • A. Leber, Politik ohne Aktion:
  • Leber beschreibt das Verhältnis der Deutschen zur Politik, das sich ihrer Meinung nach ändern muss.
  • E. Gilmore, USA, über deutsche Frauen:
  • Vorstellung für die von Amerikanerinnen ins Leben gerufenen Gemeinschaftsschulen, die der Erziehung zu Demokratie und Gemeinsinn dienen sollen.

„Mode“: 

  • Betrachtungen über Frauen als Leserinnen und das Lesen als Trost, Erbauung, Bildung.
  • Rezension der Jugendbücher von:
  • William Maxwell, Junges Blatt am Baum (The folded leaf)
  • (Maurice) Denton Welch (1915-1948), Jungfernreise. Ein englischer Schriftsteller und Maler, der mit Maiden Voyage 1935 seine Autobiographie vorlegte. Sein Selbstporträt von 1940-42 hängt in der National Portrait Gallery. Er starb an den Folgen eines Unfalls.
  • Bevorzugt Werke zum englischen Landleben, aber auch literarische Portraits seiner Freunde. Seine Homosexualität thematisierte er nicht in seinem Werk, bekannte sich aber offen dazu.

„Das junge Mädchen in…“

  • Teil 1 der Reihe: „… der UdSSR“
  • „Mosaik wird heute und in der Folge das seelische, soziologische und politische Klima aufzeigen, das für die Bildung des in allen Ländern unterschiedlichen Typs des jungen Mädchens jeweils bestimmend ist.“ Denn Frauen werden „noch stärker als heute … das Geschick der Menschheit mitbestimmen.“

„Wir debattieren“:

  • über Ko-Edukation

„praktische Alltagstips, Lebenshilfe“

  • Die Küche heute und morgen
  • Die Küchenarbeit als Problem für Städteplaner, Architekten, Handwerker, Hygieniker, damit Frauen ihre Kräfte dem „Aufbau einer sinnvolleren und lebenswerteren Zukunft“ widmen können.

„Mode“

  • Accessoires für sie und ihn
  • Paris im Modespiegel

„Schnittmuster“

„Literatur“

  • Erzählung von Ruth Hermann, später Autorin des Jugendromans Sabine im Funkhaus, 1954

„Schnittmuster für Kinder“

„Bericht Filmmärchen“, mit vielen Bildern

„praktische Alltagstips“

  • die neuen Postgebühren

„Maßtabelle für Damen“

„Bunte Steine“

  • politische, gesellschaftliche Kurznachrichten, Schwerpunkt Frauen, kein Klatsch

Ausgabe: November 1947

26 S.

„Welt-Mosaik“

  • Außenpolitik: z.B. Vereinte Nationen, Palästina, Wahlen in Griechenland
  • Innenpolitik: Nachrichten aus Thüringen, Bayern, von der Saar, Kurt Schuhmacher in den USA
  • Wirtschaft: Nachrichten und Zahlen aus Deutschland und Europa

„Essay“

  • Ricarda Huch, Freiheit
  • Annedore Leber, Politik und Gewissen
  • „Was für das individuum gilt, gilt ebenso für die allgemeine Gesellschaft: Moral-Verantwortung-Tat und Wirkung.“

„Alltag“

  • Kriegsversehrte und die Frauen
  • Frauen als Prothesenmacherin, die es bisher nicht gibt.

„Literaturtip“

  • zum dt. Widerstand von H.H. Brachvogel: Bücher von Rudolf Pechel, Wolfgang Drews und über Friedrich Percyval Reck-Malleczewen

„Das junge Mädchen in…“

  • … Frankreich

„Alltag“

  • Reisen über die Zonengrenzen

„Essay“

  • Willy Brandt, Berlin-Oslo-Berlin
  • Brandt, im Exil in Norwegen im sozialdemokratischen Widerstand, zeigt Unterschiede auf, weist aber auch darauf hin, dass es in Norwegen den Versuch einzelner zum Verständnis der schwierigen dt. Nachkriegssituation gibt.

„Wir debattieren“

  • über den Brief einer PG-Frau

„Mode“

  • Mode in London
  • Modeseiten

„Glosse“

  • Begegnung mit ihm und mit ihr
  • späte Begegnungen ehemaliger Liebender aus Mythos, Geschichte und Realität

„Literatur“

  • Harald Baumgarten, Dreimal Jo, Kurzgeschichte

„Alltag und praktische Lebenshilfe“

  • Aus bunten Resten

„Bericht“

  • Frauen und Sport

„Bericht“

  • Theaternachwuchs. Wer hat Talent?
  • Bericht aus  der Schauspielschule.

Fortsetzung der Seite „Wir debattieren“

„Schnittmuster“

„Bunt ist die Welt“

Ausgabe: Dezember 1947

27 S.

„Welt-Mosaik“

  • Außenpolitik: Palästina, Pakistan, dänische Wahlen, Frankreich, England, stets schon der Kalte Krieg allgegenwärtig.
  • Innenpolitik: Berlin, Londoner Konferenz, Presseausstellung in Düsseldorf, Spruchkammer
  • Wirtschaft: Benelux-Zollabkommen, Welthandel, Demontagen

„Literatur“

  • James Thurber, Mancherlei Monde, Kurzgeschichte

„Glosse“ 

  • Singende Kinder, Brücken zwischen den Menschen von Karla Höcker

„Literaturtip“

  • Rezension Jean Webster, Daddy Longleg

Fortsetzung Thurber 

„Bild eines alten Mannes“

  • mit einer moralischen Betrachtung zur Einsamkeit

„Essay“

  • Isa Vermehren, Freiheit der Gesinnung
  • Isa Vermehren (1918-2009), muß 1933 ihr Lübeker Realgymnasium verlassen, weil sie sich mit einer jüdischen Mitschülerin solidarisch erklärt. Wird Kabarettistin in Berlin. 1944-45 u.a. im KZ Ravensbrück, nachdem der jüngere Bruder Erich Vermehren auf die Seite der Alliierten übergelaufen war. 1951 Eintritt in die Gesellschaft der Ordensfrauen vom Heiligen Herzen Jesu/Sacré-Coeur (Religieuses du Sacré-Coeur de Jésus/RSCJ), http://www.isa-vermehren.de/

„Alltag, praktische Lebenshilfe“

  • Suchen und Finden

„Menschen“

„Essay“

  • Rolf Katz, Ein Matriarchat. Wiedersehen mit deutschen Frauen.
  • über die veränderte Rolle der Frauen im Nachkriegsdeutschland.
  • Paul Löbe, Soll nie mehr Frieden werden?
  • Plädoyer, sich um Frieden zu bemühen.

„Das junge Mädchen in …“

  • … der Türkei

„Beitrag“

  • Puppen und gutes Geld von Katharina Luinardi
  • Über die Thüringer Spielwarenindustrie

„Mutter und Sohn“

„Alltag“

  • Weihnachtsgeschenke

„Glosse“

  • „Morgen Kinder wird’s was geben.“

„Wir debattieren“

  • über Steuern

„Schnittmuster“  

„Beitrag“

  • Brief aus Prag, Reisebericht

„Alltag“

  • So festlich wie möglich

„Glossen“

  • Was heisst hier Held? verschiedene Autoren

„Rubrik, jetzt: Neues aus Ost und West“

  • vermischte Nachrichten

1948

Ausgabe: Januar 1948

„Welt-Mosaik“

  • Londoner Konferenz lässt Meinungsverschiedenheiten zw. Alliierten und Sowjetunion deutlich werden
  • Teilung Palästinas wird von UN-Vollversammlung beschlossen
  • Nachrichten aus den (ehemaligen) Kolonien
  • Atomare Aufrüstungsbestrebungen der Sowjetunion
  • Vorstandskrise der CDU (Amtsenthebungsverfahren gegen Parteispitzen)

„1948 – Das neue Jahr“

  • Autorin Annedore Leber
  • Erfahrungen mit inhaftierten Frauen während der NS-Zeit
  • Schilderungen über den Volksgerichtshof
  • Rückblick auf die Folgen des ersten Weltkrieges und Vergleich mit Gegenwart
  • Hoffnung für das neue Jahr

„Möchten Sie alt werden?“

  • Phänomen der Altersarmut, Alte im Nachkriegsdeutschland
  • Problem der Untätigkeit, mangelnde Versorgung, zu wenig Altersheime…

„Wir debattieren über: Gewerkschaften“

  • Erschütterung der kapitalistischen Ordnung durch Weltkrieg, Suche nach einer neuen Ordnung (SPD Duktus vor Godesberg)
  • Neun Beiträge von Gewerkschaftsfunktionären
  • Aufgabe der Gewerkschaften, Frauen in Gewerkschaften, internationale Zusammenarbeit von Verbänden, wirtschaftlicher Wiederaufbau Deutschlands…

„Hier bin ich in Verlegenheit – Politik in Stoßseufzern“

  • Frage an drei Politiker nach ihren „wunden Punkten“ im Alltag
  • Louise Schroeder (Oberbürgermeisterin von Berlin) über ihre Ohnmacht nicht jedem Hilfegesuch Folge leisten zu können
  • Dr. Hans Erhard (bayerischer Ministerpräsident) über falsche Ansichten über Bayern
  • Martha Fuchs (Flüchtlingskommissar in Niedersachsen) über sexistische Anredeformen

„Ich richte mir eine Wohnung ein!“

  • Wohnideale und Einrichtung in Zeiten der Not

„Der Hosenmatz“

  • Schnittmuster für Latzhosen für Kinder
  • Beitrag lässt Ablehnung gegen geschlechtsspezifisch konnotierte Kleidung durchscheinen

„Oh la la – Pariser Linie“

  • Modeillustrationen aus Paris

„Modebrief aus New York“

  • Bericht über eine Einladung der Modejournalistin Virginia Pope (New York Times)
  • Illustrationen

„Im Winter auf der Straße“

  • Mode für die kalte Jahreszeit

„Das Dorf der tausend Stufen – von Joe Lederer“

  • Autorin (österreichische Journalistin, Kosmopolitin)
  • Kurzgeschichte über ein italienisches Dorf namens Posa

„Über den Geldverkehr“

  • Informationen zu „interzonalen Überweisungen“, Postaufträgen usw.

„Das Junge Mädchen in…“

  • … China
  • Lebenswirklichkeit chinesischer Mädchen
  • Modernisierung, Annäherung an westliche Gepflogenheiten, Fotografien

„Alles ist relativ…“

  • Relativität von Problemen im Lebensalltag

Ausgabe: Februar 1948

28 S.

„Welt-Mosaik“

  • Abkommen zwischen souveränen Staaten
  • Führende Sozialdemokraten
  • Auf der Frankfurter Konferenz
  • Der Status von Berlin
  • „Protokoll M“
  • Die Habeas Corpus-Akte
  • Eine Deutsche Delegation
  • Eine Änderung der Einkommenssteuer
  • Der französische Außenminister Bidault
  • Das französische Finanzprogramm
  • Eine chinesische Gegenregierung
  • Ein neuer Anglo-Amerikanischer Vertrag
  • Ein Balkanprogramm
  • General Markos
  • Der Sprecher des Londoner Außenamts
  • Die griechische Regierung
  • Der Bürgerkrieg in Griechenland
  • Die sozialistischen Abgeordneten im bulgarischen Parlament
  • König Michael von Rumänien

„Ein Blick hinter die Kulissen…“

  • von Mosaik

„Odd Nansen, An das Gewissen der Welt“

„So lebt der Neu-Kumpel im Ruhr-Revier“

„Astrologie – Unfug oder Wissenschaft?“

„Zwei Welten im Tanz“

  • von Beda Prillip

„Karneval“

„Gestrickt und gehäkelt“

„Es geht dem Frühling zu – Jäckchen so und so“

„Mode für kleine Mädchen“

„Die Intellektuelle und die andere“

  • von Theo Retisch (Wortspiel?)

„Nordische Mädchen“

  • von Katharina Luthardt, Journalistin, zeitweilig Ehefrau von Rudolf Augstein

„Zur Diskussion für junge Menschen: Was soll ich lernen? Was kann ich werden?“

„Brief aus dem „gelobten Land“. Spaziergang durch das belgische Wunder“

„Prélude amoureux“

  • von Else Ulrici

„Quer durch die Welt: Vermischtes“

Ausgabe: März 1948

28 S.

„Welt-Mosaik“

  • Eine neue Charta für die Bizone
  • Marschall Sokolowski
  • In Nordrhein-Westfalen
  • Proteste an den Alliierten Kontrollrat
  • Ein geeintes Westeuropa
  • Moskau ist gegen den Bevin-Plan
  • Die Politik des Kremsl
  • Mohandas K. Ghandi
  • Im chinesischen Bürgerkrieg
  • Unruhen gab es in Südkorea

„Als Alliierte in Wien“

„Wie sollte es sein – Gedanken zur Politik. Rudolf Pechel rezensiert ‚Deutschland und Europa‘ von Benedetto Croce“

„Wieder von vorne. – Kriegsheimkehrer.“

„Ghand(i)“

  • von Ernst von der Decken (1894-1958), deutscher Journalist und Schriftsteller. In den 1920ern Hauptschriftleiter beim Ullstein-Verlag, nach dem Zweiten Weltkrieg, stellvertretender Chefredakteur der Welt am Sonntag.

„Wir diskutieren: Jung heiraten oder nicht?“

„‚Stromlinien-Männer‘ – Zeitgemäße praktische Winke“

Eine psychologische Frage graphologisch untersucht

  • von Alice Enskat, zusammen mit Wilhelm Müller Autorin von Mensch und Handschrift: Lehrbuch der graphologischen Deutungstechnik zum Selbstunterricht, 2. überarbeitete Auflage 1941; es folgen weitere Ausgaben der 2. Auflage 1949-1973; 3. Unveränderte Auflage 1987; 4. Korrigierte und ergänzte Auflage 1993.

„Das junge Mädchen in…“

  • …Japan
  • von W. K. Nohara

„Weiße Träume: Spitzenkragen“

„Schnittmuster für Groß und Klein.“

„Eine Frau von Bedeutung und der ideale Gatte“

  • von Susanne Suhr (1893-1989), geb. Pawel ursprüngliche Bibliothekarin, nach dem Zweiten Weltkrieg Journalistin und Schriftstellerin, SPD-Politikerin, Ehefrau des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Otto Suhr.

„Die Verschmähte von Anton Tschechow“

„Reklame“

„Im Brennglas – Vermischtes“

Ausgabe: April 1948

28 S.

„Welt-Mosaik“

  • Der Osten dringt vor
  • Um den Marshall-Plan
  • Westeuropa wehrt sich
  • De Gaulle wird wieder aktiv
  • Legionäre marschieren in Palästina
  • China ist in Gefahr
  • General Markos droht
  • Berliner Demokraten in Abwehrstellung
  • Friede! Freiheit! Demokratie!
  • Nicht anti-sowjetisch, aber gegen die SED

„Noch einmal Wien. Spaziergang eines ‚Dasigen'“

  • von Dr. Peltzer, Wien

„Eine amerikanische Liebesgeschichte“

  • von Michael Eltz

„Gebändigte Natur. Über die Entwicklung des Tennessee-Stromtales in den USA“

„Frauen hinter Gittern“

  • von Katharina Luthardt

„Deutschland ein Rechtsstaat?“

„Export einmal anders – Mode“

„Die Karten lügen nicht“

  • von Eva Siewert

„Aus weltbekannten Modejournalen“

„Importierte Impressionen“

„Tassen, Tassen, Tassen“
„Not, guter Geschmack und Planung“

  • von Otto Bach

„Blusen von dazumal“

„Reklame“

„Im Schatten des Mannes?“

„Reklame“

„Mancherlei – nebenbei – Vermischtes“

Ausgabe: Mai 1948

„Welt-Mosaik“

  • Außenpolitische/weltpolitische Meldungen
  • Gekennzeichnet vom aufdämmernden Kalten Krieg
  • Zahlreiche Meldungen zum Widerstreit zwischen Alliierten und Sowjets (Berlin)
  • Marshall Plan
  • Aufteilung und Neuordnung der Gebiete (Italien, „Palästina“…)

„Das Freudenfest“, eine Pfingstgeschichte von Else Ulrich (?)

  • Schilderung eines Pilgers in Mariazell (große Gemeinde in öster. Steiermark, wichtigster kath. Wahlfahrtsort Österreichs, „Gnadenstatue Magna Mater Austriae“)
  • Hauptgegenstand „Waberl“ (alte Frau, die als Heilige der Schulkinder gilt).
  • Schilderung ihres Äußeren und ihres Charakters. Im Verlauf der Geschichte stirbt sie und vermacht ihre kärglichen Habseligkeiten den Schulkindern. Das Begräbnis wird ein großes Fest, Schilderungen der Natur und fröhlicher Kinder.

„Nachruf auf Berta Eckstein Diener“

  • Schrieb erste auf Frauen fokussierte Kulturgeschichte, Matriarchatsforschung…

„Dr. E. Köhler (Präsident Frankfurter Wissenschaftsrat) schreibt über die Frauen“

  • Stellung der Frau durch starken Frauenüberschuss geändert.
  • Mitwirkung im politischen Geschehen.
  • Aufforderung an Parteien, Frauen Stellungen einzuräumen.
  • Frauen haben feste Aufgabenbereiche (Haushalt, Versorgung), sollen dahingehend politisch aktiv werden.
  • Zahl politisch aktiver Frauen völlig ungenügend.
  • In der Fraulichkeit sei Menschlichkeit begründet -> gut für neue Demokratie
  • Gefahr des Nihilismus -> Nächstenliebe, frauliche Menschlichkeit, christliche Werte
  • Frauentum heißt Mütterlichkeit, innere Verpflichtung zur Volksgemeinschaft (!)

„Moderne Frauen in… (Interview mit Stadtrat Prof. Reuter)“

  • Männer sollen den gebeutelten Frauen helfen, aus theoretischer Gleichberechtigung muss faktische werden
  • Zahlenmäßige Verschiebung der Geschlechter verlangt neue gesellschaftliche Ordnung, Positionen für Frauen müssen geschaffen werden (unter Berücksichtigung ihrer häuslichen Pflichten)
  • Männer müssen umdenken!
  • Problem der Witwen -> Männer müssen Frauen in Not als Azubis aufnehmen
  • Vorwurf an Frauen auf Hitler zu „emotional“ reagiert zu haben und die sozialdemokratische Idee nicht unterstützt zu haben.
  • Frauen mildern Aggressivität in männlichen Diskursen -> Sachlichkeit
  • Hohe Zivilcourage
  • Frauen sollen charmant, warmherzig, mit mehr Erfahrung für das Menschliche agieren und auftreten. Das öffentliche Leben soll privater, das private öffentlicher werden.
  • Die politische Sprache muss menschlicher und verständlicher werden (Frauen vor!)
  • Patriarchalische Vorstellungen werden immer auch bei zeitgenössischen „Frauen-Unterstützern“ deutlich. Rollenverteilung wird nicht in Frage gestellt.

„Briefe verzweifelter Eltern und Frauen“

  • Unsicherheit und Verzweiflung wegen verschollener Familienmitglieder
  • Kritik an Nazi-Eliten, die in neuen Institutionen unterkommen
  • Kritik an Roter Armee, Umerziehungslagern, SED-Geheimpolizei

„Diskussion“

  • Malerei -> drei Werke
  • Frauen äußern ihre Meinung zu dem Abgebildeten (KZ, Landschaft, moderne Kunst)
  • Desinteresse, Unverständnis, Ablehnung ggü. Darstellung ausgemergelter Menschen, Kunst muss ästhetisch/gut/schön sein, immer wieder Kritik an „moderner Kunst“
  • „Stillosigkeit moderner Kunst“
  • Frage; „Wird die Erziehung der Nazis (Stichwort „entartete Kunst“) hier deutlich?“
  • Wenig Offenheit, nur einige Frauen „bejahen“ moderne Kunst und sehen in ihr eine notwendige Form der Selbstreflektion einer Generation.
  • Kommentierende Autorin (Gisela Ulrich) ruft auf „Sehen und Denken“ zu lernen.

Als Journalistin (Annemarie Langens) in England

  • Schilderung visueller Eindrücke von Londons Stadtbild
  • Probleme der Nachkriegszeit (niedrige Löhne, mangelnde Energieversorgung…)
  • Bewunderung der demokratischen/parlamentarischen Kultur, Zähigkeit der Engländer
  • Der englische Gentleman und gleichberechtige Lebensart
  • Rationierung von Konsumgütern
  • Autorin bewundert fairen Umgang mit ihrer deutschen Nationalität (keine Ressentiments)

Modetrends international, Kleider, Röcke, Dessous
„und dann und dann kommt sie“

  • Sehnsucht nach dem Sommer
  • Fernweh
  • Versuch einer Frau einen gesunden (braunen) Teint zu erlangen

„Gedanken zu unserer Zeit“ (Jean Stauffer Grane)

  • Autorin hat zerstörtes Deutschland erlebt – dies hat sie tief beeinflusst.
  • Kontrast zu Amerika -> Wertschätzung der menschlichen Seele
  • Autorin arbeitet als Statistikerin (wirtschaftliche Erholung Deutschlands)
  • Autorin stellt Fragen an eine Neuausrichtung der deutschen Gesellschaft nach der „Stunde Null“ – wünscht sich eine „klassenlose Gesellschaft“, sieht Zerstörung auch als Chance.
  • Autorin kritisiert Schulsystem der Deutschen und fordert geschlechtliche Gleichberechtigung und die Erziehung in staatsbürgerlicher Verantwortung.
  • Gefahren der Moderne/entwickelter Industriestaaten; Falscher Stolz usw.
  • Autorin scheint christlichen Glaubens zu sein. Mensch geht mit Nichts in den Tod, nur der Charakter zählt, Aufforderung nach einer charakterlichen Bildung des dt. Volkes.
  • Humanistische Werte (in erster Linie gibt es Mitmenschen, danach erst Nationalität…)
  • Fortschrittsoptimismus, Neuanfang wagen.

„Die Hand verrät Dich“

  • Bericht über „Chirologie“ (Handdeutung)
  • „Hand verrät nicht Schicksal aber Charakter“, „Hand kann nicht maskieren“…
  • „absolut zuverlässig“

„Interzonales Kultur-Mosaik“

  • Ankündigungen von Ausstellungen, Tagungen, Theaterstücken usw.
  • Werbung

„Unsere hängenden Gärten – schön und nützlich“

  • Schilderungen der Vorteile von Balkonen
  • „Ersatzurlaub“
  • Begrünung

„Ist Liebe abgeklappert“

  • Obige Aussage spiegelt Stimmung in Mosaik Redaktion
  • „Umfrage“ nach Alterskohorten (18,28,38…).
  • Frühlingsgefühle
  • Je älter desto pessimistischer, je jünger desto hoffnungsvoller.

„Fahrplan durch die Kinderkrankheiten“

  • Von Masern bis Tuberkulose (Vorbeugung, Ansteckung, Symptomatik, Behandlung…)

„Kleinigkeiten-Wichtigkeiten“

  • Internationales Panorama, Feuilleton, Trivialitäten, Frauennachrichten

Ausgabe: Juni 1948

„Welt-Mosaik“

  • Außenpolitische/weltpolitische Meldungen
  • Reparationen, Ost-West-Konflikt, Londoner Konferenz, militärische Zusammenarbeit der s.g. Westländer, Ausrufung des Staates Israel, Massenvernichtungswaffen (insb. USA)„…zu wissen, dass es solche jungen Leute gibt – eine Betrachtung von Annedore Leber“
  • Blick auf die Studentenproteste in Prag und Berlin
  • Problem der Abwanderung junger Studenten ins Ausland
  • Hervorhebung studentischen Engagements für Freiheit in Bildung und Forschung (Hintergrund der kommunistischen Machtübernahme in der damaligen Tschechoslowakei)

„Welch reizendes Bild…“

  • Mediale Zurschaustellung des Privaten politischer Persönlichkeiten (Kritik, Fotografien…)

„Wir diskutieren – Warum sind Sie in Ihrer Partei?“

  • Zunächst grundlegende Charakterisierung der Parteien SPD, CDU, SED, LDP
  • Warum brauch es überhaupt Parteien? Warum bin ich in meiner Partei?
  • Antworten von Annedore Leber (SPD), Walther Schreiber (CDU, später Bürgermeister von Berlin), Ernst Tillich (dt. Theologe, Sozialist, später Antikommunist), Ella Barowsky (LDP/FDP, setzte sich für Gleichstellung der Frau im Bildungsbereich und christlich-jüdische Freundschaft ein), Martin Schmidt (SED, späterer Präsident der Notenbank der DDR), Klaus-Peter Schulz (SPD/später CDU, Chefredakteur der Zeitung „Der Sozialdemokrat“)
  • Aufruf zur politischen Mitwirkung in der jungen Demokratie

„Zeitgemäße Berufe – positiv, negativ“

  • Perspektiven deutscher Frauen auf dem Arbeitsmarkt (Fokus auf handwerkliches)
  • Problematik der Kriegswitwen und „Trümmerfrauen“
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf

„Das Stelldichein von Marcel Arland“

  • Autor (frz. Schriftsteller und Literaturkritiker, Herausgeber der „Nouvelle Revue Francaise)
  • Kurzgeschichte über eine romantische Begegnung zwischen einem Offizier und einer jungen Frau.

„Ein Bauprojekt als soziale Hilfsmaßnahme: Frauenstadt – Frauenstaat?“

  • Erste Ergebnisse eines Aufrufs an Nachwuchs-Architekten zur Erstellung eines Wohnkonzeptes für alleinstehende Frauen in Not
  • Betonung auf Notsituation der durch Krieg alleinstehenden Frauen (es handelt sich hierbei nicht um „eine amazonenhafte, männerfeindliche Angelegenheit (…)“)
  • Schaffung eines „wohlgeordneten Kollektivs (…)“ statt staatlicher Geldmittel etc.
  • Konzept sieht den Bau eines Hochhauses mit Läden, Waschküchen, „Kinderreich“ u.a. vor unter platzsparenden/praktischen Prämissen
  • Beigefügt sind viele Konzept- und Grundrisszeichnungen

„Mode international (Amerika, Deutschland, England, Frankreich)“

  • Mode als Institution, die es vermag „friedlich die ganze Welt zu erobern.“

„Sommer im Schnittmuster“
„Schieben Sie den Kurfürstendamm entlang?…oder ziehen Sie auf den rauen Pfaden der Wirklichkeit?“

  • Mode für den berlinerischen Alltag zwischen Arbeit und Freizeit

„Haben es Männer schwerer?“

  • Vier Beiträge aus dem Privaten/Alltäglichen, die o.g. Frage vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Probleme/Rollenbilder klären wollen.

„Modischer Schmuck“

„Interzonales Kultur-Mosaik“

  • Ausstellungen, Theateraufführungen, Kundgebungen im Juni 1948

„Schnittmuster“

  • Darüber in dieser Ausgabe auffällig viele Werbeanzeigen (Mode, Parfum, Schmuck…)

„Ringsherum“

  • Internationales Panorama, Feuilleton, Trivialitäten, Frauennachrichten
  • Siehe „Kreuz und Quer, Kleinigkeiten-Wichtigkeiten“ usw.

Ausgabe: Juli/August 1948

„Welt-Mosaik“

  • Londoner Konferenz (dreieinhalbmonatige Konferenz der drei Siegermächte USA, GB, FR, Einigung auf zukünftige Linien der Besatzungspolitik, letzter Versuch einen Ausgleich mit der UdSSR zu finden, Beendigung der Politik der harten Hand Frankreichs)
  • Deutschlands Weg zu einer neuen demokratischen Souveränität
  • Palästina-Konflikt
  • Wahlen in Südafrika
  • Währungsreform
  • Sowjetische Blockade Westberlins„Kommentar/Schilderung ‚Reise in den Urlaub‘ (Gisela Ulrich)“
  • Gedanken zum Urlaub in Nachkriegszeiten
  • „Der Urlaub selber ist im Aufbau (Zerstörung von Gebäuden und Infrastruktur)“.

„Jagd nach Arbeit“

  • Autorin Katharina Luthardt ist Journalistin und war später die zweite (von fünf) Ehefrauen des Spiegel-Gründers Augstein.
  • Schilderung des Schicksals einer jungen Witwe, die verzweifelt nach einer Arbeitsstelle sucht.
  • Problem der Abhängigkeit vom Ehemann als „male-bread-winner“, Problem der ungelernten/unqualifizierten Hausfrauen.

„Vor vier Jahren“, Dokumentarische Aufzeichnungen und letzte Briefe zum 20. Juli

  • Verschiedene Autoren/Urheber, verschiedene Stile
  • In Einleitung Betonung auf Heterogenität der Widerständler („Menschen aller Kreise des deutschen Volkes“)
  • „Der Hintergrund der Verschwörung gegen Hitler“ von Dr. George Bell (Bischof von Chichester, Anglikaner, enger Freund Bonhoeffers, Ökumeniker)
  • Schilderung eines Konferenzbesuchs in Stockholm im Mai 1942 in dem Bischof Bell Dr. Hans Schönfeld traf.
  • Letzterer informiert den Bischof über die Existenz einer „starken Opposition gegen Hitler“ innerhalb Deutschlands (welche Kreise? Mitwirken der katholischen und „bekennenden“ Kirche, Perspektiven für ein antinazistisches Deutschland in einem „Bund freier europäischer Nationen“, Umsturzszenarien).
  • Ein späteres Zusammentreffen mit Bonhoeffer bestätigt Schilderungen von Schönfeld (Bonhoeffer genoss mehr Vertrauen) und benennt einige Verschwörer (Beck, v. Hammerstein…). Bischof Bell wird gebeten die Informationen an Regierungskreise der Alliierten weiter zu geben und tut dies im späteren Verlauf auch (ohne Ergebnis).
  • Absage der Briten wird in Deutschland enttäuscht aufgenommen.
  • Autor ist es ein Anliegen das Bild der Umstürzler zu korrigieren (nicht nur militaristische Aristokraten, sondern „(…) verschiedenartige Leute mit unterschiedlichen Beweggründen, nur zusammengehalten durch den gemeinsamen Entschluss, Hitler auszuschalten.“ (S.4)
  • Alle Gruppen der Anti-Hitler-Bewegung waren auf das Militär angewiesen, ohne dieses sei kein Umsturz realisierbar gewesen.
  • Autor äußert Widerspruch gegen die Ansicht, dass die Verschwörung nur ein Werk von Männern gewesen sei, die 1942 erkannten, dass der Krieg verloren sei.
  • Vielmehr wurde die Verschwörung bereits 1941 vorbereitet zu einer Zeit, in der die Eroberungspolitik der Nazis noch große Erfolge vorweisen konnte.
  • Autor stellt kontrafaktische Frage, ob eine Verschwörung von Erfolg gekrönt worden wäre, hätten die Alliierten sie bereits frühzeitig unterstützt.
  • Beitrag schließt mit der Feststellung, dass die Ideale von Humanismus und Liberalismus fortleben würden und die Taten der Verschwörer einen wichtigen Beitrag zur „geistigen Erneuerung Deutschlands und zur Genesung Europas(…)“ liefern können und müssen.
  • „Jedes Schicksal hat seine Gesetze“ (Brief aus der ersten Untersuchungshaft von Julius Leber, 05.Januar 1945)
  • Leber ist mit dem Urteil einer langen Haftstrafe konfrontiert und leitet her, wieso der Antritt und nicht das Ausweichen einer solchen Strafe der einzig richtige und konsequente Weg für Ihn ist.
  • Autor stellt sich als mit sich selbst im Reinen und ohne Reue dar.
  • „Bleib dem stillen Befehl treu“ (Abschiedsbrief von Alfred Friedrich Delp SJ, Jesuit und Mitglied des Kreisauer Kreises, am 02. Februar 1945 hingerichtet)
  • Delp fügt sich – religiös und patriotisch motiviert – dem Schicksal des Todesurteils und hält Fürbitte für Deutschland.

„Weltpresse in Steckbriefen“

  • Autor John H. Freeman (britischer Politiker der Labour Party, Diplomat, Offizier, Journalist)
  • Motivation des Artikels ist es dem deutschen Leser einen Leitfaden zum besseren Verständnis der Presse Englands, der USA, Frankreichs sowie der Sowjetunion zu geben (politische Ausrichtung, Darstellung von Leitmedien wie bspws. der Times, Auflagen usw.)

„Die Erfolgreichsten – eine Übersicht und eine Umfrage an unsere Leser“

  • Eine Zusammenfassung von Umfragen hinsichtlich der international bedeutendsten Persönlichkeiten.
  • Aufgeteilt nach Kategorien wie „Politik“, „Wirtschaft und Technik“ oder „Literatur“
    Die Aufzählung stützt sich auf nicht näher genannte „Zeitschriften und Institute“ und es schließt sich ein Aufruf zu einer Umfrage auf deutscher Ebene an.

„Ursprünge der Mode“

  • Zweiseitiger Überblick über wiederkehrende Modetrends und dessen ursprünglicher Herkunft.

„Sommer in Berlin“

  • Mode in Notzeiten, Lobpreisung Diors, Fotografien…

„Unsere Schnittmuster“

  • Sommerkleider

„Ich möchte Modezeichnerin werden – Was eine Neunzehnjährige zu sagen hat“

  • Trivia

„Für Niklaus und Nikolinchen“

  • Schnittmuster für den Nachwuchs

„Zwischen Spielbank und Aquarium“

  • Launische Kritik am zeitgenössischen Monte Carlo, Reisebericht.

„Die Totenhochzeit – Erzählung von A. Lernet-Holenia“

  • Autor Alexander Marie Norbert Lernet-Holenia (umstrittener, zeitkritischer, österreichischer Schriftsteller)
  • Kurzgeschichte aus der Zeit der späten Koalitionskriege (napoleonische Kriege) um 1812.
  • Hauptfigur ist eine junge Frau, die sich als Witwe wähnt und schließlich doch ihren verloren geglaubten Mann findet.

„Diskussion: Was erwarten Sie von Ihrer Schule“

  • Befragung zweier Schüler aus unterschiedlichen Schulformen (humanistisches Gymnasium, Realgymnasium)
  • Insgesamt ein subjektiver Überblick über die „Stärken und Schwächen“ der unterschiedlichen Schulformen.

„Unsere praktische Seite – Wir färben – Wir reinigen“

  • Hinweise zur praktischen Haushaltsführung in o.g. Themen.

„Ein Garten im August“

  • Gartenarbeit im Spätsommer

„Kreuz und Quer“

  • Internationales Panorama, Feuilleton, Trivialitäten, Frauennachrichten

Ausgabe: September 1948

„Welt Mosaik“

  • Sowjetische Blockade Berlins (Protestnoten der Alliierten, gegenseitige Schuldzuweisungen, Treffen zwischen Westmächten und Stalin)
  • Neuregelung der Donauschifffahrt (Sowjetunion diktiert Donaukonvention und beansprucht über Satellitenstaaten Kontrollvollmachten)
  • Verstimmungen zwischen Jugoslawien und dem „Kommunistischen Informationsbüro“ (KOMINFORM)
  • Parlamentswahlen in Finnland verdeutlichen finnischen Wille sich einer russischen/kommunistischen Expansion zu erwehren (Kommunisten fallen im Parlament auf den dritten Platz hinter Sozialdemokraten und „Bauernpartei“
  • Die Bildung einer neuen europäisch orientierten Regierung in Holland wird begrüßt
    Neues Kabinett der Mitte um André Marie in Frankreich (auch hier Zurückdrängung der Kommunisten)

„Das Brot“, eine Erzählung von Wolfdietrich Schnurre

  • Autor war ein bedeutender Lyriker der westdeutschen Nachkriegsliteratur, thematisierte 1958 als erster dt. Schriftsteller den Mord der Nationalsozialisten an den europäischen Roma (in der Geschichte „Jenö war mein Freund“), 1920-1989.
  • Geschichte dreht sich um Vater, Mutter und Säugling, die einem nationalsozialistischen Lager entflohen sind und im Hochsommer in einem Wald ums Überleben kämpfen. Der Mann findet schließlich ein Brot, dass er jedoch im Zuge eines Gewitterschauers verschlingt. Als er wieder zu seiner Frau und dem Kind zurückkehrt, stirbt das Kind.

„Heerscharen der Hilfe“

  • Bericht über Hilfsorganisationen
  • Rotes Kreuz, Entstehungsgeschichte um Henry Durant und seinen Eindrücken der Schlacht von Solferino (1859), Schilderung seiner Leistungen und Reichweite
  • Quäker, Entstehung in Philadelphia (1917, „mutig um der Liebe willen und weil wir den Hass hassen“), kleine Gruppe mit großer finanzieller Unterstützung
  • Heilsarmee, Entstehungsgeschichte um William Booth (Methodist, lernte im 19.Jh. in einem Pfandhaus die Armut der Londoner Stadtbevölkerung kennen), 3,5 Mio Mitglieder seinerzeit.

„Um die Einheit Europas – Politische Notwendigkeit, Hoffnungen, Wünsche, Schwierigkeiten und Bedenken“

  • Sechs Fragen an bekannte Befürworter einer europäischen Einigung
  • Befragte: Ein Vertreter der Benelux Staaten, Wilhelm Röpke (dt. Ökonom und Sozialphilosoph, gilt als einer der Väter der sozialen Marktwirtschaft), Ernst Reuter (Oberbürgermeister Berlins zur Zeit der Spaltung), ein französischer Diplomat, die englische Stimme
  • Fokus deutsch-französische Aussöhnung, verhaltener Optimismus für wegbereitende Schritte binnen der folgenden zehn Jahre, Wirtschaftsunion als vorbereitende Maßnahme

„Berliner Topfguckerei – Ernährungssorgen einer Grossstadt in der sechsten Woche der Blockade“

  • Versorgung und Ernährung in Berlin anhand von vier Haushalten zu Zeiten von Luftbrücke, Währungsreform und Wirtschaftskrise
  • Rationierung, Kopfquoten, wiederkehrendes Thema: Versorgungsengpässe mit Gas

„Auf in die Schweiz – Berlin exportiert Mode“

  • Schilderung von Handelsverträgen für Lieferungen Berliner Mode in die französische Schweiz
  • Autorin zeigt sich überrascht über die Nachfrage nach deutschen Produkten

„Geschichte vom Handschuh“

  • Historisches, Handschuhe selber nähen und reinigen

„Schnittmuster“

„Angsttraum –Wunschtraum“

  • Autorin Eva Siewert (unklar, ggf. Spiegel Journalistin, 1947 als Autorin des Spiegels genannt)
  • Psychoanalyse von Sigmund Freud, Traumdeutung, Träume als Mittel der Selbsterkenntnis, was bedeuten wiederkehrende Bilder/Gegenstände/Situationen?

„Das große Suchen – Wer ist Pearl S. Buck?“

  • Darstellung der Biografie und des Werks der Literaturnobelpreisträgerin (1938) und Schriftstellerin Pearl Sydenstricker Buck (Verfechterin von Toleranz und Völkerverständigung, Jugend in China mit großem Einfluss auf Werk)
  • Im Anschluss ein Beitrag genannter Persönlichkeit über das spirituelle Grundbedürfnis aller Völker, Fragen nach einem Schöpfergott usw.

„Juliette – Erzählung von Friedrich Glauser“

  • Autor ist berühmter schweizerischer Schriftsteller, einer der ersten deutschsprachigen Krimiautoren
  • Romantische Kurzgeschichte über einen kranken Mann, der von einer wundersamen Frau namens Juliette gepflegt und begleitet wird.

„Unsere praktische Seite“

  • Anregungen eines Innenarchitekten für die Einrichtung modernen Wohnraums
  • Mosaik Kochrezepte

„Schnittmuster“

„Ist Liebe abgeklappert – Zuschriften zum Beitrag im Mai-Heft“

  • Leserbriefe zum Thema: „Ist Liebe noch aktuell? Gibt es die Liebe?“

„Achtung – Ärgern Sie sich?“

  • Leserbriefe zu den Themen: Höflichkeit, Gleichberechtigung, Lebensmittelkarten…

„Kunterbunt“

  • Internationales Panorama, Feuilleton, Trivialitäten, Frauennachrichten
  • Siehe „Kreuz und Quer“ oder „Kleinigkeiten – Wichtigkeiten“

Ausgabe: Oktober 1948

„Welt-Mosaik“

  • Verschärfung der Berliner Blockade zum internationalen Problem
  • Aufstände in Griechenland
  • Regierungskrise in Frankreich (Vergleich mit Krise der Weimarer Republik)
  • Anregung eines westeuropäischen Parlaments auf frz. Initiative

„Berlin im Blickpunkt“

  • Autor Willy Brandt (SPD Mitglied und späterer Kanzler der BRD)
  • Themenfeld Berlin-Krise
  • Ablehnung einer rein machtorientierten Politik und Sprache
  • Ablehnung militärischer „Lösungen“
  • Aufruf zur Annäherung an den Westen (Freiheit) aber ohne Hass-Rhetorik ggü. der Sowjetunion (siehe spätere Annäherungspolitik?)

„Eine Rundfrage an Berliner: Wie stehen Sie zu Berlin?“

  • 14 Beiträge von Lesern aus verschiedenen Berufsgruppen zur o.g. Frage
    Einteilung in drei Gruppen (Person, die Berlin verlässt/verlassen hat – Person, die unentschlossen ist – Person, die in Berlin bleibt, komme was wolle)
  • Primär wirtschaftliche/perspektivische Abwägungen vor dem Hintergrund der Blockade

„Der ungekrönte König Ungarns – Kardinal Mindszenty“

  • Biografisches über Kardinal Josef Mindszenty (Widerstand gegen Nazis/Kommunisten, Symbolfigur, ungarischer Erzbischof)
  • Lob seiner Standhaftigkeit/Werttreue

„Mrs. Clay – Besuch bei der First Lady der Amerikaner in Deutschland“

  • Autorin Annedore Leber
  • Schilderung der Person (Frau von Militärgouverneur der amerikanischen Zone in Deutschland General Lucius D. Clay)
  • Stil, Charakter…

„Vor dem Theatereingang“

  • Bericht über die Aufführung klassischer englischer Stücke im Renaissance Theater in Berlin (u.a. Shakespeare, Webster)
  • Einzigartiger Moment zur Zeit der Blockade (ermöglicht durch Luftbrücke)

„Billig Bauen – praktisch Wohnen“

  • „variable Kleinwohnungen für die Frau“ vorgestellt von Max Taut (dt. Architekt)
  • Raumskizzen, Einrichtung usw. vergleichbar mit „Frauenstadt“ aus Juniheft

„Wunschträume zwischen Pelz und Taft“

  • Herbstmode aus Paris und New York

„Unsere Schnittmuster“
„Wir stricken – für kühle Tage“

  • Pullover, Hemden, Bettschuhe…

„Die O-Susanna-Story“

  • Kurzgeschichte von Else Ulrici (Autorin)
  • Schilderung einer jungen, durchschnittlichen Küchenhilfe, die im Krieg über sich selbst hinaus wächst.

„Wähle deinen Typ und erkenne dich selbst“

  • Fragespiel/Test zum präferierten Typ Mann
  • Ergebnisse sollen Leitfaden für die Leserin geben, wie sie sich verhalten soll/die perfekte Ergänzung für ihren Typ Mann sein kann

„…große Töchter – große Sorgen? Dreimal drei kleine Szenen und eine nachdenkliche Betrachtung“

  • Zentrales Thema: Mutter-Tochter-Beziehung
  • Mütter beantworten alltägliche Fragen zum Umgang mit ihren Töchtern (was ist, wenn Sie mit einem Mann ausgehen möchte u.a.)

„Schnittmuster“
„Unser Schirm in Geschichtszahlen“

  • Geschichte des Regenschirms von der Antike bis in die Gegenwart

„Kuriositäten“

  • Internationales Panorama, Feuilleton, Trivialitäten, Frauennachrichten
  • Siehe „Kreuz und Quer“ oder „Kleinigkeiten – Wichtigkeiten“ etc.

Ausgabe: November 1948

„Welt-Mosaik“

  • Uno Vollversammlung (Berlin Krise, Abbruch der Verhandlungen mit der Sowjetunion, Atombombenmonopol der USA…)
  • Churchill warnt vor drittem Weltkrieg/Unterjochung Europas durch Kommunismus

„Besuch bei Lady Robertson – Gattin des britischen Militärgouverneurs in Deutschland“

  • Schließt sich dem Besuch bei Mrs. Clay in voriger Ausgabe an
  • Biografie, Charakter, Engagement

„Für den Frieden in den Tod“

  • Warnung vor politischem/religiösen Fanatismus, Plädoyer für Humanismus
  • Darstellung historischer Persönlichkeiten, die ihr Leben Zielen der Menschlichkeit widmeten und umkamen (Gandhi, Lincoln, Rathenau…)

„Léon Blum – Ein guter Franzose und ein ebenso guter internationaler Sozialist“

  • Autor Paul Löbe (Politiker der SPD, Reichstagspräsident 1920-1924 und 1925-1932, maßgeblich am Wiederaufbau der SPD nach dem zweiten Weltkrieg beteiligt)
  • Biografisches über Léon Blum (mehrfacher frz. Premier zwischen 1936 und 1950, Vorkämpfer der deutsch-französischen Aussöhnung, zeitweise KZ-Insasse)

„Typisch deutsch? – Kritik aus Gesprächen mit Ausländern“

  • Amerikaner, Schweizer, Chinesen und Russen über „typisch deutsche“ Eigenschaften

„Blick auf Jugoslawien gestern und heute – aus dem Tagebuch einer ausländischen Journalistin / von Denyse Berger“

  • Schilderungen aus Triest, Ljubliana, Zagreb, Belgrad
  • Historischer Kontext (1948 Bruch mit der Sowjetunion und Annäherung an den Westen)
  • Neue Hoffnung für die Bevölkerung (?)

„Im Westen viel Neues“

  • Mode Illustrationen

„Tücher wehen im Herbstwind“

  • Wandel des Tuches vom Taschentuch/Kopftuch zum modischen Accessoire

„Schnittmuster“
„Leben Sie richtig?“

  • „Die Frage ist besonders an unsere weiblichen Leser gerichtet, denn die männlichen zerbrechen sich darüber wohl – ganz allgemein geblieben – weniger den Kopf“
  • Selbsterkenntnis der Frau, Lebenspraxis (Kleidung, Körperpflege, Aufklärung)

„Kleine Mädchen“

  • Lyrischer, wortmalerischer Beitrag über heranwachsende Mädchen mit vielen Bildern

„Über das Wachstum – von Prof.Dr.med. J. von Finck“

  • Kleine Abhandlung über das Wachsen von Pflanzen (wachsen am Tag) und Menschen (wachsen in der Nacht/beim Schlaf)
  • Ratschläge an Eltern für ein gesundes Aufwachsen ihrer Kinder
  • Beispiele für Fehlbildungen im Wachstum anhand von Zwillingen

„Die Vernunftheirat – Erzählung von W. Somerset Maugham“

  • Autor William Somerset Maugham (englischer Erzähler und Dramatiker, weltbekannter Autor des 20. Jahrhunderts, löste mit seinem Roman „Liza of Lambeth“ und dessen Schilderungen über die Armenviertel Londons einen Skandal aus)
  • Kurzgeschichte über einen französischen Gouverneur, der aus Karrieregründen mit 49 Jahren eine Frau heiratet. Aus der „Vernunftehe“ entsteht schließlich echte Liebe.

„Schnittmuster“
„Splitter“

  • Internationales Panorama, Feuilleton, Trivialitäten, Frauennachrichten
  • Siehe „Kreuz und Quer“ oder „Kleinigkeiten – Wichtigkeiten“

Ausgabe: Dezember 1948

„Welt-Mosaik“

  • Präsidentschaftswahlen in den USA (überraschender Sieg von Harry S. Truman)
  • Labour Party setzt sich für eine gemeinsame Armee der Siegermächte ein
  • Politische Lage in Frankreich (Streiks und Chaos)
  • Bewaffnung der deutschen Polizei in der Ostzone („Schutz vor den Feinden der Demokratie“)
  • Palästina Konflikt und Versuch der Vereinten Nationen zu vermitteln

„O du fröhliche…“

  • Kurzes Gedicht zum Thema Weihnachten und Bilder von Weihnachtsdekoration

„Der Christchor – Erzählung von Ruth Hoffmann“

  • Autorin (dt. Schriftstellerin und Malerin, kämpfte während des Krieges für die Freilassung ihres Mannes aus dem Konzentrationslager)
  • Schilderung eines weihnachtlichen Besuchs in einer Kirche in Böhmen

„Frauen führen Regie…“

  • Unvollständige Darstellung dreier Frauen, die in ehemaligen Männerdomänen tätig sind (eine leitende Ärztin, eine Programmdirektorin, eine Theater-Regisseurin)

„Was wird aus den Kriegsgefangenen? Von Annedore Leber“

  • Not und Gefühlswelt der Frauen von Kriegsgefangenen
  • Schilderungen Annedore Lebers über ihre Erfahrungen mit der Problematik
  • Vermisstenzahlen (1,8 Mio vermisste dt. Soldaten im Dezember 1948)
  • Reparationen, Konferenz von Jalta
  • Ebenfalls unvollständig

„Madame Koenig – Ein Besuch bei der ersten Dame Frankreichs in Deutschland“

  • Schließt sich Artikeln aus vorigen Ausgaben an
  • Autorin auch hier Annedore Leber
  • Charakter, Meinungen usw.

„Unsere Umfrage: Lesen Sie noch Lyrik?“

  • Lesern des Mosaiks wurde o.g. Frage gestellt
  • Sinn der Lyrik vor dem Hintergrund von Notzeiten
  • Sechs kurze Gedichte

„Wir machen Weihnachtsgeschenke“

  • Geschenkideen und passende Schnittmuster auf folgenden Seiten
  • Ebenfalls unvollständig

„New Look für alle“

  • Modenachrichten aus Paris im Telegrammstil
  • Houte Couture

„Albert und Albertine“

  • Autor Wolfdietrich Schnurre (bedeutender Erzähler und Lyriker der westdeutschen Nachkriegsliteratur, brach Tabu des Massenmordes an Sinti und Roma)
  • Unvollständig

1949

Ausgabe: Januar 1949 = Heft 1 und 2

18 S.

„Was sagen Sie dazu?“

  • Brief einer 43jährigen, die keine Arbeit findet. Die Herausgeberin antwortet und Leserinnen können sich dazu äußern.

„Steuerprobleme, Gleichberechtigung der Frau, verschwundene Personen“

„Begegnung mit drei Frauen: Eleanor Roosevelt (1884-1963)“

  • von 1933-1945 First Lady der Vereinigten Staaten, die diese Rolle gründlich reformierte. Sie hält wöchentliche eigene Pressekonferenzen, zu denen nur Reporterinnen zugelassen waren. Sie veröffentlicht tägliche Kolumnen „My day“ in der Zeitung
  • Ab 1945 erste Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen. Dr. Eder Schwyzer,Asa Lionaes

„Klein, aber mein. Anregung zur Lösung westlicher Wohnungsprobleme.“

„Expertenmeinung“          

  • Das Treueproblem in der Ehe

„Kunst“

  • Bild einer sterbenden Frau,

„Fragebogen“  

  • Führen Sie eine glückliche Ehe?

„Mode“

  • Frankfurt als Modezentrum

„Mode“  

  • Hausarbeit in Schnittmustern

„Bericht“

  • Heimarbeit: Die ganze Familie strickt

„Mode“

  • Mode hinter unseren Kulissen. Was tragen die Mosaikmitarbeiterinnen

„Literatur“          

  • Dominique Aucleres, Ein unverheiratetes Mädchen.

„Alltag“    

  • Rätsel-Mosaik

„Mode“

  • Selbstgenähtes

„Ratgeber“

  • Agnes von Zahn-Harnack (1884-1950), Wie lernt man fremde Sprachen?
  • Deutsche Frauenrechtlerin, Tochter des bekannten Theologen Adolf von Harnack. Beteiligte sich nach dem Krieg am Wiederaufbau der deutschen Frauenbewegung z.B. duch Gründung des „Berliner Frauenbunds 1945 e. V.“

„Vermischtes“

  • Schneeflocken

Ausgabe: Heft 3, 1949

21 S.

„Was sagen Sie dazu?“

  • Auswandern, unmännliche und unweibliche Berufe, Hamsterfahrten, Schauspielerei

„Eine Betrachtung über Parlamentarierinnen von Annedore Leber“

„Ideen und Initiative“

  • meint Überlebensstrategien im Alltag

„Kleine Ballerinen“

„Meinung“

  • Wie stehen Sie zu Ihrer Familie und Verwandtschaft?

„Glosse“

  • Physiognomisches Mosaik

„Mode“

„Mode“

  • Haarsträubende Behauptungen. Frisuren und Hüte 1849 und 1949.

„Literatur“

  • Ruth Hoffmann (1893-1974), Zwischen Angel und Tür
  • Deutsche Schriftstellerin und Malerin. Ihr „Erstlingswerk war 1935 „Pauline aus Kreuzburg“. Wenig später erhielt sie Schreib- und Publikationsverbot. Ihr Ehemann, Erich Schleye, war Jude und wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Nach dem Krieg schrieb sie über jüdisches Schicksal und ihre schlesische Heimat.

„Alltag“

  • Spiele in der Dämmerung

„Mode“  

„Schnittmuster“

„Rätsel-Mosaik“  

„Vermischtes – Konfetti“

Ausgabe: Heft 4, 1949

1 DM

26 S.

„Was sagen Sie dazu?“

  • Ehe ohne Mann, Wohnrecht der Geschiedenen, Muß man pathetisch sein? Ein Klub für einsame Bürger

„Diesseits und jenseits des Rheins, Otto Bach“

„Meinung“

  • Die große Chance, am Bsp. von Schauspielerinnen         2

„Pariser Puppen reisen nach Amerika, Ausstellungsbericht“          

„Karriere-Klein iken. Das Lebenswerk der Mrs. Jane Todd“    

„Meinung“

  • Berufstätige und Hausfrau?

„Glosse“

  • Männer um das Mosaik

„Die vollkommene Sekretärin, Dr. Henriette Schwang“  

„Wie wünsche ich mir meine Sekretärin? Wie wünsche ich mir meinen Chef?“  

„Alltag“  

  • Umschulungsstätten

„Mode“

  • Alles aus Kattun, Schnittmuster

„Literatur“

  • Henry Duvernois, Ein schönes Paar

„Rätsel-Mosaik“   19

„Vermischtes – Ostereier“      

Ausgabe: Heft 5, 1949

1 Westmark

26 S.

Was sagen Sie dazu?

  • Weltbürgerin, Die Frauen – zu hart geworden? Wie stelle ich mir meine Sekretärin vor? Heime für berufstätige Frauen

„Deutsch-französische Gespräche“

„Meinung“

  • Wo sind die Grenzen, Klaus Peter Schulz

„Die Turmradler der Literatur. Eine Beschreibung zu drei Büchern der amerikanischen best-seller Listen“

„Parlez-moi d’amour. Erinnerung an weltberühmte Chansonetten“

„Meinung“

  • Der Mann ist immer noch der Stärkere. Als Beispiel vier Fälle bei denen die Rechtslage des BGB unserem Gerechtigkeitsempfinden widerspricht. Erdmuthe Falkenberg

„Die Seele vom Buttergeschäft. Frauen im Beruf.“ 

„Alltag“

  • „Wir richten uns ein“

„Fragebogen“

  • Benehmen Sie sich richtig?

„Mode“

  • In der Kürze liegt die Würze.

„Mode“                  

„Rätsel-Mosaik“

„Literatur“

  • Fortsetzung von Ein schönes Paar, Henry Duvernois

„Vermischtes – Maikäferchen“ 

Ausgabe: Heft 6, 1949

1 Westmark

25 S.

„Was sagen Sie dazu?“

  • Warum immer die anderen? Hund oder Kind? Vier Heiratsanträge und ein „Nein.“ Herr O.P. Tübingen schreibt dazu.

„Mutter und Kind in der Kunst.“

„Meinung und Alltag“      

  • „Das angenommene Kind?“

„Wir adoptieren ein Kind.“

„Berliner Nachwuchs. Schauspielerinnen und ihre Kinder.“            

„Alltag“    

  • Anleitung für den Einkauf von Schaukelpferden.

„Meinung“

  • Finnische Impressionen, Dominique Aucleres

„Drei junge Mädchen und ihre Wunschträume.“

„Literatur“  

  • Fortsetzung von Ein schönes Paar, Henry Duvernois

„Alltag“

  • Mit Kamm und Schere. Frisuren

„Mode“

  • für Kinder

„Fragebogen“

  • Können Sie mit Kindern umgehen?

„Mode“

  • Mäntel für Dich und mich.

„Basteln: Alles aus Stroh.“ 

„Rätsel-Mosaik“

„Vermischtes – Kinkerlitzchen“

Ausgabe: Heft 7,  1949

1 DM

26 S.

„Was sagen Sie dazu?“

  • Kindtaufe und §§§, Junge Ehen ohne Geld.

„Der Ruf der Mütter“

„Glosse“

  • Paris im Sommer

„Alltag“

  • Reiselektüre

„Flügel-Häuser oder Villenhotels in Berlin“

„Meinung“

  • Was weiß ich von der Welt? Alfred Berndt

„Quiz“

  • Rundfrage-Reise durch Weltkenntnisse

„Alltag“

  • Wir packen für die Reise.

„Alltag“

  • In letzter Minute.

„Meinung“

  • Müssen wir so unerotisch sein?

„Mode“

  • Reise nach Wien.

„Literatur“

  • Hedwig, die Primanerin.

„Rätsel-Mosaik“

„Hinaus in die Ferne. Deutsche Kinder reisen ins Ausland.“

„Glosse“  

  • Die kleinen Nadelstiche des Alltags

„Vermischtes – Streusel und Rosinen“

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Die Presselandschaft der Nachkriegszeit

Titelbild des Telegraf, eine der ersten Tageszeitungen, die mit Genehmigung der Alliierten schon 1946 wieder unter deutscher Leitung erscheinen durften. Sie vergaben die Lizenz an drei Personen, die sich durch ihre Biografie dafür empfohlen hatten, am Wiederaufbau mitzuwirken: die Widerstandskämpferin Annedore Leber, den Journalisten Arno Scholz und den ehemaligen Reichstagspräsidenten, SPD Politiker Paul Löbe, der im KZ gewesen war. (Bild: Privat)


Die Politik der Alliierten im Deutschland der frühen Nachkriegszeit war bestimmt von dem Bemühen, die Deutschen umzuerziehen: Sie sollten die Demokratie lernen. Teil dieser Reeducation-Politik war der Aufbau einer freien Presse, die zunächst unter der Aufsicht der alliierten Lizenzgeber stand, d.h. ohne die Zustimmung der Militärregierung durften zwischen Juli 1945 und September 1949 keine Zeitungen, Zeitschriften oder Bücher gedruckt werden. Damit verhinderte man eine unkontrollierte Gründung von Zeitungen und konnte zugleich Einfluss nehmen für den Fall, dass die Herausgeber z.B. nationalsozialistisch gefärbte Beiträge drucken würden.

Früheste Berichterstattung

Erste schriftliche Nachrichten stellten die militärischen Heeresgruppen-Blätter in den verschiedenen besetzten Zonen bereit. In der US-amerikanischen Zone wurde diese Praxis bereits im Herbst 1945 eingestellt, während sie bei den Briten bis zum Frühjahr 1946 weitergeführt wurde. Die nächste Stufe der Berichterstattung stellen die deutschen Zonen-Zeitungen dar, die in der Regel auch redaktionell in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Besatzungsmächten erschienen. Um aber die deutschen Journalisten zu einer selbständigen Berichterstattung zu befähigen, begannen die Amerikaner und Franzosen bereits 1945 mit einem Lizenzierungprogramm.

Lizenzpolitik

Die jeweilige Militärregierung durchleuchtete den Lebenslauf derjenigen Deutschen, die eine Lizenz für ein Presseprodukt beantragten, um zu prüfen, inwiefern sie in das nationalsozialistische Regime involviert gewesen waren.

Die USA vergaben in ihrer Zone Lizenzen an kleine Gruppen von Herausgebern, die unterschiedliche politische und weltanschauliche Positionen vertraten. Innerhalb der britischen Besatzungszone wurden Lizenzen an parteinahe Personen vergeben, die mit ihren unterschiedlichen politischen Ausrichtungen ein breites Meinungsbild boten. Die französische Militärregierung übertrug Lizenzen sowohl an parteinahe als auch an überparteiliche Personen. In der sowjetischen Besatzungszone wurden im Gegensatz dazu auch Lizenzen an Parteien, vorrangig an die KPD, erteilt.

Bis zum Einzug der westlichen Besatzungsmächte in Berlin im Sommer 1945 hatte die sowjetische Besatzungsmacht die öffentliche Meinung in der ehemaligen Hauptstadt bestimmt, durch den Einzug der Westmächte entstand ein breiter gefächertes Meinungsbild. Durch die unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Ausrichtungen der jeweiligen Zeitungen und Zeitschriften, stand, durch die direkt nebeneinander liegenden Sektoren in Berlin, eine große Auswahl an divergierenden Meinungen für die Bevölkerung zur Verfügung, u.a. dadurch dass viele Berliner in einem Sektor wohnten und in einem anderen arbeiteten.

Innerhalb des britischen Sektors in Berlin wurde bereits im Jahr 1945 über eine SPD-nahe Lizenzzeitung nachgedacht, die am 22. März 1946 unter dem Namen Der Telegraf das erste Mal erschien. Ein großes Problem der frühen Nachkriegsjahre war die Materialknappheit in vielen Bereichen, so auch beim Papier. Zudem mussten sich die Besatzungsmächte in den verschiedenen Sektoren um Druckmaschinen bemühen. Aufgrund dessen erschienen die Lizenzzeitungen zu Beginn unregelmäßig, nach Möglichkeit wöchentlich, mit einem Umfang von üblicherweise sechs bis acht Seiten.

Die Gruppe der Herausgeber setzte sich aus dem Journalisten Arno Scholz, dem SPD-Politiker und letzten Reichstagspräsidenten Paul Löbe sowie Annedore Leber zusammen, alle drei in der SPD, die als Widerstandskämpfer und –kämpferin gegen den Nationalsozialismus prädestiniert waren, auf diese Weise am Wiederaufbau mitzuwirken. Dies war zugleich der Beginn der journalistischen Arbeit für Annedore Leber. Noch während sie Lizenzträgerin des Telegrafen tätig war, gründete Leber den MosaikVerlag.

Ziele

Ziel der Herausgeber und Autoren von Zeitungen und Zeitschriften war eine (Wieder-)Vermittlung moralischer Werte in der Gesellschaft. Daher spielten politisch-kulturelle Zeitschriften eine zentrale Rolle innerhalb der Reeducation-Politik der Alliierten. Sie sollten politische Diskussionen anstoßen, da Parteien und Parlamente erst aufgebaut werden mussten. In allen vier Zonen wurde eine große Zahl von politisch-kulturellen Zeitschriften, wie Die Wandlung, Deutsche Beiträge, Merkur, Frankfurter Hefte, mit grundsätzlichen Essays zu gesellschaftspolitischen sowie ethischen Fragen herausgegeben. Gemeinsame Werte sollten über nationale politische Eliten hinaus durch das Medium der Presse an die Gesellschaft weitergeben werden. Die Herausgeber der jeweiligen Zeitschriften und deren Autoren versuchten, ein neues moralisches Fundament zu legen, um die Bürger und Bürgerinnen zu ermuntern, selbst politische Verantwortung zu übernehmen.

Tim Rose


Literatur:

  • Frei, Norbert, Die Presse, in: Wolfgang Benz (Hg.), Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bd 4, Frankfurt 1989, S. 370-416.
  • Grebner, Susanne, Entstehung einer SPD-nahen Lizenzzeitung in Berlin 1946-1950, Münster 2002.
  • Laurien, Ingrid, Politisch-kulturelle Zeitschriften in den Westzonen 1945-1949. Ein Beitrag zur politischen Kultur der Nachkriegszeit, Frankfurt am Main [u.a.] 1991.
  • Mendelssohn, Peter de, Zeitungsstadt Berlin – Menschen und Mächte in der Geschichte der deutschen Presse, Frankfurt 1982.

Die Nachkriegszeit

Es erschien uns passend, ein Foto von der Ausstellung „Berlin im Aufbau“ im ehemaligen Stadtschloss in Berlin-Mitte vom August 1946, Berlin, Mitte, Unter den Linden des Fotografen Abraham Pisarek zu zeigen, anstelle der hier durchaus erwartbaren Trümmerfotografie, denn Mosaik soll ebenfalls dem Aufbau dienen.
(Bild: Deutsche Fotothek / Wikimedia CommonsCC-BY-SA 3.0 DE)


Die Geschichte Deutschlands nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist untrennbar mit Annedore Lebers späterem Engagement verbunden. Hier zeigen wir einen kurzen Überblick über die Nachkriegszeit – mit Schlagworten von A bis Z.

Berlin-Blockade

Um zu verhindern, dass die Währungsreform der Amerikaner auf West-Berlin angewendet wird, schneidet die Führung der Sowjetischen Besatzungszone Berlin im Juni 1948 vollständig von Westdeutschland ab. Ein gewaltsames Durchbrechen der Blockade ist unmöglich, da das Risiko eines erneuten Krieges zu hoch ist. Deswegen entscheiden sich die Westmächte, Berlin über eine Luftbrücke zu versorgen. Zehn Monate werden bis zu 1.300 Flüge täglich geflogen, um die Versorgung zu gewährleisten.. Die Blockade manifestiert endgültig die deutsche Teilung und Berlin wird zu einem Vorbild für die ganze Welt, da die Stadt um ihre Freiheit kämpft. (S. v. Hagen)

Bestrafung und Reparation

Zentrale Aufgabe der Nachkriegszeit, darüber herrscht unter den Alliierten früh Einigkeit, muss es sein, zu verhindern, dass Deutschland erneut zu einer Gefahr für die Welt werden kann. Schon vor Kriegsende halten sie daher fest, dass mit der ‚bedingungslose[n] Kapitulation’ auch die Zerschlagung des deutschen Kriegspotenzials und eine Bestrafung der Schuldigen einhergehen soll. Auch darüber, dass die Deutschen eine Entschädigung zahlen sollen, ist man sich einig.

An der Reparationsfrage entzündet sich jedoch in der Folge ein Konflikt. In der Sowjetunion nehmen die Kriegsentschädigungen angesichts der enormen Zerstörung der eigenen Landwirtschaft, Industrie und Infrastruktur eine überragende Bedeutung ein. Bei den Westalliierten hingegen dominiert die Befürchtung, die Reparationen könnten die Deutsche Wirtschaft so belasten, dass man das Land nach kurzer Zeit unterstützen und somit die Reparationen schlussendlich selbst bezahlen müsse – nicht zu unrecht, wie sich später zeigen wird. Während der Potsdamer Konferenz im Juli und August 1945 werden daher keine festen Summen oder Quoten festgelegt. Stattdessen darf in Zukunft jede Besatzungsmacht ihren Bedarf eigenständig aus der ihr zugeteilten Zone decken. Die Folgen werden insbesondere die Menschen in Ostdeutschland in den Nachkriegsjahren spüren. (J. Broll)

Dekartellisierung

Nach dem Plan der Alliierten soll Deutschland auch als Wirtschaftsnation geschwächt werden. Die Wirtschaft des Landes basiert elementar auf einigen wenigen Großunternehmen in der Stahl- und Montanindustrie, aber auch auf dem Bankensektor, den das NS-Regime während des Krieges unterstützt hatte. Nach Kriegsende werden die zwölf größten Unternehmen deshalb in 28 Subunternehmen zerschlagen. Einen anderen Teil der ökonomischen Demontage bilden die Reparationszahlungen, welche in Form von Geld, aber auch in der Auflösung von Unternehmen geleistet werden. Schnell wird den Westalliierten allerdings klar, dass mit einer radikalen Demontage der deutschen Bevölkerung die Chance genommen wird sich selbst zu helfen, da sie massive Arbeitslosigkeit hervorrufen könnte. Gleichzeitig wird in einigen Teilen Deutschlands der Ruf nach einer Sozialisierung der Betriebe lauter.

Im Osten fällt auch in diesem Bereich die Zäsur wesentlich radikaler aus. Der Umbau der Wirtschaft ist auf Verstaatlichung ausgerichtet, begleitet von umfassender Demontage und Enteignung. In der nachkriegszeitlichen Reorganisation zeichnet sich an dieser Stelle bereits eine Teilung Deutschlands ab. (B. v. Treek)

Demilitarisierung

Da die amerikanische Militärführung während des Kriegsverlaufs die Wehrmacht als sie  führende Kraft erkennt, ist es für sie nach Kriegsende immanent wichtig, zunächst alle militärischen und paramilitärischen Vereinigungen der Nationalsozialisten zu entwaffnen und deren Strukturen zu zerschlagen. Gleichzeitig erhofft man sich, durch die Internierung von 11 Millionen Soldaten in den Westbesatzungszonen den von der deutschen Heeresleitung angekündigten Guerillakrieg (genannt „Werwolf“) verhindern zu können. Dies erweist sich allerdings schnell einfacher, als zunächst erwartet. Viele deutsche Soldaten fliehen in die westlichen Besatzungszone, um nicht in die Hände der Roten Armee zu fallen. In den über ganz Deutschland verteilten Gefangenenlagern zeigt sich bald, dass der Wille und die Motivation der Deutschen, für Volk und Führer zu kämpfen, bei den meisten Menschen endgültig erschöpft ist.

Die deutschen Soldaten werden in den Nachkriegsjahren nach und nach ins zivile Leben entlassen. 1947 sind noch 435.000 Soldaten in britischer, 640.000 in französischer und 14.000 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Die Sterberate liegt in den Westlagern zwischen 1% und 2,6%. Im Vergleich zu den Gefangenenlagern im Osten sind diese Zahlen allerdings sehr niedrig. Hier liegt die Mortalität mit 1 Millionen Toten bei 35% (und das nur in den Lagern auf den Gebieten des ehemaligen Deutschlands). Zu großen Teilen wird auch das Kriegsgerät, so vorhanden, demontiert und in andere Staaten verbracht. Das Ziel ist, Deutschland nie wieder in die Lage kommen zu lassen, ein Heer für einen Angriffskrieg aufzustellen. (B. v. Treek)

Demokratisierung/Dezentralisierung

Wichtigstes Ziel der Alliierten ist, in Deutschland langfristig eine Demokratie zu etablieren. Sie soll, so viel hat man aus der Geschichte der Weimarer Republik gelernt, nicht gegenüber politischem Extremismus anfällig ist. Zu diesem Zweck sollen in den ersten Jahren Strukturen geschaffen werden, die eine größtmögliche demokratische Partizipation ermöglichen. Dies setzt jedoch voraus, dass auch die zuvor gleichgeschalteten Institutionen entnazifiziert werden. Ein großes Problem liegt darin, dass sich ein Großteil der in der Verwaltung und in Schulen Beschäftigten aus ehemaligen NSDAP-Parteimitgliedern zusammensetzt. Würde dieser Wechsel konsequent angegangen, müßte dies unweigerlich zum Zusammenbruch des öffentlichen Dienstes führen. An den Hochschulen werden so gut wie keine Reformen durchgeführt, sodass auch die nachfolgenden Generationen oft noch bei regimetreuen Professoren lernen werden. In der ostdeutschen Besatzungszone wird auf sehr viel konsequentere Weise ein radikaler Strukturwandel durchgesetzt: Die alten Kader werden schnell durch die teilweise im Ausland auf den politischen Wiederaufbau vorbereiteten Kommunisten ersetzt. (B. v. Treek)

Denazifizierung

Eine grundlegende Frage der Siegermächte, die sich nach Kriegsende noch immer stellt, ist: Was war der Nationalsozialismus? – Und wer ist für seine Ausführung und Politik verantwortlich zu machen? Dass die Verantwortlichen zu bestrafen sind, ist Konsens unter den Siegermächten. Im Fokus stehen nicht nur die Angehörigen der Wehrmacht, sondern auch der gesamte gleichgeschaltete Verwaltungsapparat des ehemaligen Reiches. Dies erweist sich allerdings als schwierig, da viele im Krieg gefallen sind oder als verschollen gelten. 250.000 Schuldige werden gefangen genommen, von denen 6.000 an Drittstaaten verbracht und dort verurteilt werden. 668 werden zum Tode verurteilt.

Die Frage nach der Schuld wird sich auch nach den Nürnberger Prozessen, die 1946/47 stattfinden, nicht endgültig beantworten lassen. Allerdings werden in diesen Prozessen die führenden Köpfe des NS-Apparates der Weltöffentlichkeit vorgeführt – sodass sich unterschiedliche Auffassungen entwickeln, wer für die Kriegsverbrechen verantwortlichen zu machen sei: Der Politikwissenschaftler Franz Neumann geht beispielsweise davon aus, dass die Hauptschuld bei den alten deutschen Eliten aus Militär und Wirtschaft zu suchen sei. Seine Lösung ist daher, den Einfluss der ehemals Mächtigen zu minimieren. Eine andere These sieht vor, die enge Bindung zwischen der Bevölkerung und der NS-Ideologie aufzulösen. Ein Entnazifizierungsbögen teilt die Deutschen in fünf verschiedene Kategorien ein: Entlastet, Mitläufer, Minderbelastete, Belastete, Schuldige und Hauptschuldige. Als besonders wichtig betrachtet man die Bereinigung der öffentlichen Ämter von ehemaligen NSDAP Mitgliedern,  z.B. in Gerichten und an Schulen. Allerdings, das fällt den Alliierten bald auf, käme dadurch das öffentliche Leben fast vollkommen zum Erliegen. Viele Urteile beschränken sich daher auf Geldsummen von bis zu 4.000 Mark oder sehr kurze Gefängnisstrafen. (B. v. Treek)

Der Eiserne Vorhang

Schon im Sommer 1945 werden während der Potsdamer Konferenz die wesentlichen Konturen des geteilten Deutschlands der Nachkriegszeit deutlich. Im Zentrum steht die Frage nach den Reparationen, die von der Sowjetunion und den Westalliierten gegensätzlich beantwortet wird. Die Verhandlungen sind von einem gegenseitigen Misstrauen geprägt, wie es die gesamte Nachkriegszeit bestehen bleiben wird: Die Sowjetunion fürchtet, Deutschland könne in den Einflussbereich des Westens geraten und in eine Front gegen die UdSSR treten, Großbritannien und die USA fürchten sich vor einem Westeuropa im Machtbereich der Sowjetunion. Anhaltspunkte dafür sieht man insbesondere im Verhalten der Sowjets in Polen, wo Russland noch während laufender Verhandlungen ‚Fakten schafft’: Die Grenze Polens wird nach Westen verschoben, ein großer Teil der polnischen Ostgebiete wird russisch. Dafür verschieben sich die Grenzen Polens gen Westen. Flucht und Vertreibung von ca. 12 Millionen Deutschen gen Westen sind die Folge. Am 5. März 1946 spricht der britische Premier Churchill von einem ‚Eisernen Vorhang’ – Ein frühes Zeichen für ein nachhaltig gestörtes Verhältnis der Alliierten. (J. Broll)

Familie und Politik

In einer Zeit, in der der Alltag vom Kampf um knappe Lebensmittel, Wohnraum und andere lebensnotwendige Dinge geprägt ist, wird die Familie für viele zur wichtigen Stütze: Hier findet man häufig Solidarität, Unterstützung und Schutz, die ansonsten nicht oft zu erwarten sind. Auch in der Trauer um gefallene oder der Sorge um gefangene oder vermisste Familienmitglieder bietet die Familie einen wichtigen Rückhalt. Im täglichen Kampf ums Überleben erweist sich die Idee einer „Volksgemeinschaft“ endgültig als Illusion. Sind viele Menschen noch bis vor kurzem im Glauben gewesen, Teil eines ‚Großen Ganzen’ zu sein, verschiebt sich ihre Lebenswirklichkeit nun eindeutig in einen engen privaten oder lokalen Raum. Eine Auseinandersetzung mit politischen Fragen, wie sie die Zeitschrift Mosaik behandelt, findet vor dem Hintergrund der alltäglichen Probleme zunächst nur in den wenigsten Familien statt. (J. Broll)

Gemeinschaft der Besiegten

Mit Kriegsende scheinen in der deutschen Gesellschaft, die noch wenige Stunden zuvor stark hierarchisch aufgebaut war, auf einmal alle gleich: Vereint in Unglück und Entbehrungen wird jeder Einzelne mit den Problemen des täglichen Überlebens konfrontiert. Machtunterschiede werden egalisiert, aus Handelnden wird eine Masse der von den Alliierten Behandelten. An die Stelle der ‚Volksgemeinschaft’ tritt in der öffentlichen Wahrnehmung eine ‚Gemeinschaft der Besiegten’. (J. Broll)

Hunger und Schwarzmarkt

Ist die Ernährungslage unmittelbar nach dem Ende des Krieges im Mai 1945 noch gut, ändert sich sich dies nach wenigen Wochen dramatisch: Nach kurzer Zeit kann die deutsche Agrarproduktion nur noch ein Drittel bis die Hälfte des Bedarfs decken. Dies liegt vor allem an den außergewöhnlich schlechten Ernten in den ersten zwei Nachkriegssommern, aber auch das Ausbleiben der Lebensmittellieferungen aus den zuvor besetzten Ländern, sowie die umfangreichen Gebietsverluste, beeinflussen die Situation erheblich. Die Alliierten versuchen, der Lage mit einer Bewirtschaftung der Lebensmittel und dem System der Lebensmittelscheine zu begegnen, behalten also im Kern das System der Nationalsozialisten bei. Bis 1948 kann der Mindestbedarf jedoch nicht gedeckt werden, was besonders im Winter 1946/47 zu einer schweren Hungerkrise führt. Aus diesem Grund müssen die Besatzungsmächte zusätzliche Lebensmittel in Form von sogenannten ‚Care-Paketen’ einführen.

In Folge der Lebensmittelknappheit und der Bewirtschaftung mit festgelegten Preisen blüht auch der Schwarzmarkt auf: 1946/47 umfasst er ca. 15% der gesamten Warenzirkulation, als Ersatzwährung etablieren sich Zigaretten, der Tausch von Waren gegen Lebensmittel wird zur Normalität. Insbesondere die Ärmsten sind auf den Schwarzmarkt angewiesen, aber auch Unternehmen beteiligen sich, indem sie z.B. Löhne in Waren auszahlen. Besonders an den Wochenenden setzt eine Wanderung der Städter aufs Land ein, wo Schmuck oder Hausrat gegen Lebensmittel eingetauscht werden.

In der Folge ist teilweise ein extremer Verfall der Sitten zu beobachten. Die Kriminalitätsrate steigt erheblich an (in Berlin beispielsweise um das zehnfache), es kommt vielfach zu ‚Hungerdelikten’, insbesondere Betrüger und Skrupellose setzen sich durch. (J. Broll)

Kriegsbilanz

Die demografische Bilanz nach sechs Kriegsjahren erweist sich als verheerend: Von 18 Mio. in den Krieg gezogenen Soldaten ist mehr als ein Drittel tot oder vermisst, mehr als 10 Mio. befinden sich in Kriegsgefangenschaft. 12 Mio. Menschen befinden sich auf der Flucht aus den ehemaligen Reichsgebieten, 2 Mio. von ihnen sterben auf dem Weg. Allein in der Sowjetunion befinden sich 600 000 dorthin verbrachte Zivilisten, sowie 2,1 Mio. deutsche Kriegsgefangene. Besonders bezeichnend ist: Über all diese Personen weiß man zunächst fast nichts. (J. Broll)

Marshallplan

Als Marshallplan wird umgangssprachlich das European Recovery Programm (ERP) des amerikanischen Außenministers George C. Marshall bezeichnet. Das Programm steht im Zentrum der Containment-Politik (Politik der Eindämmung des Kommunismus) der USA. Es umfasst umfangreiche Kredite an alle europäischen Länder, wenn diese die Bedingungen der Amerikaner erfüllen. Bedingungen sind die Sicherung der freien Märkte und eine politische-wirtschaftliche Koordination Europas. Deutschland erhält 1,4 Mrd. Dollar Hilfen aus diesem Programm, die aber zurückgezahlt werden müssen. Güter, die mit den Geldern des Marshallplans finanziert werden, werden gekennzeichnet, so dass das Programm eine große Bekanntheit erreicht.

Ziel des Programms ist es, eine Ausbreitung des Kommunismus in Europa zu verhindern und die europäische Wirtschaft nach dem Krieg wieder aufzubauen. (S. v. Hagen)

Parteien

Christlich Demokratische Union (CDU) / Christlich Soziale Union (CSU)

Die CDU und ihre bayerische Schwester CSU werden 1945 gegründet und sind erfolgreiche Neugründungen, die eine große Veränderung bei den bürgerlichen Parteien darstellen. Die neue Bewegung fordert neben einer Vereinigung der Konfessionen auch die Überwindung der Klassengrenzen, in der Ausprägung unterschieden sich die Forderungen der unterschiedlichen Lager innerhalb der Partei. Ebenso uneinig ist sich die Union in ihrer wirtschaftspolitischen Orientierung. Mit Konrad Adenauer, der in seinem Programm vor allem auf die Stärke staatlicher Institutionen setzte, stellt die CDU den ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Bei den ersten Landtagswahlen in den Westzonen erreicht die Union 37,5%.

Sozialdemokratische Partei Deutschland (SPD)

Die SPD rekonstituiert sich bereits im Sommer 1945. Es existieren zunächst drei politische Zentren: Die Exilführung aus London, die im Januar 1946 nach Deutschland zurückkehrt, der Berliner SPD-Vorstand und das neue Zentrum um den ehemaligen Widerstandskämpfer Kurt Schuhmacher in Hannover. Die Leitparole der Partei lautet: „Demokratie in Staat und Gemeinde, Sozialismus in Wirtschaft und Gesellschaft.“ Ein wesentliches Element in ihrem Programm ist der Antikommunismus. Bei den ersten Landtagswahlen in den Westzonen erreicht die SPD 35%.

Kommunistische Partei Deutschland (KPD)

Die Kommunistische Partei wird von einem Kader um Walther Ulbricht, der im Moskauer Exil geschult wurde, neu aufgebaut und dominiert. Die KPD tritt zunächst mit einem gemäßigten Programm an, in dem nicht einmal das Wort Sozialismus auftaucht. Nachdem die Kommunisten ihre Macht in der SBZ schnell gefestigt haben, bei den ersten Kommunalwahlen aber eine Niederlage einstecken müssen, setzen sie seit Anfang 1946 auf einen Zusammenschluss mit der SPD.

Sozialistische Einheitspartei Deutschland (SED)

Die SED bildet sich in der SBZ durch einen Zusammenschluss von KPD und SPD. Das Ergebnis einer Urabstimmung in West-Berlin zeigt allerdings, dass 80% der Mitglieder der West-SPD eine Vereinigung ablehnen. Die Urabstimmung ist in Ost-Berlin verboten. Trotzdem wird die Vereinigung umgesetzt und am 19. und 20. April 1946 die SED gegründet.

Mit der Zwangsvereinigung von KPD und SPD werden die Konfrontationen der Alliierten auf die innenpolitischen Verhältnisse der Besatzungszonen übertragen. Eine Vereinigung der Besatzungszonen würde nun die Auflösung der SED oder eine Fusion der West-SPD mit der SED voraussetzen.

Freie Demokratische Partei (FDP)

Die FDP ist ebenfalls eine Neugründung. Sie unterscheidet sich von der Union insbesondere durch die Ablehnung der religiösen Orientierung und ihre scharfe föderalistische Haltung. Auch in der FDP stehen sich unterschiedliche Kräfte gegenüber, vor allem die Nationalliberalen im Norden und Westen und die Linksliberalen im Süden und Südwesten. Viele ehemalige Nationalsozialisten treten in die nationalliberalen Landesverbände ein. (S. v. Hagen)

Politischer Neuaufbau

Der politische Neuaufbau in den westlichen Besatzungszonen verläuft „von unten nach oben“, Parteien und Gewerkschaften werden zunächst auf Kommunal- und Landesebene wieder zugelassen. Die Parteien werden allerdings von den westlichen Militärregierungen lizenziert, rechtsradikale Parteien, aber auch eine Flüchtlingspartei, werden nicht zugelassen. Im Jahr 1946 finden die ersten Kommunalwahlen in den Westzonen statt, die ersten Landtagswahlen im Jahr 1947. Die Gestaltung der neuen Regierungsformen und Verwaltungsstrukturen ist jedoch vor allem eine Sache der Besatzungsmächte, die deutsche Bevölkerung und die „neuen“ deutschen Politiker, die zu großen Teilen aus dem Personalbestand der Weimarer Republik bestehen, spielen dabei kaum eine Rolle.

Es bildet sich in der westdeutschen Parteienlandschaft eine Grundstruktur heraus, wie sie auch in den meisten anderen westeuropäischen Ländern besteht. Es entsteht eine kommunistische Partei, eine sozialistische Partei, eine christliche Sammelbewegung und eine bürgerlich-liberale Partei.

In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) funktioniert der politische Neuaufbau „von oben nach unten“. Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) genießt die besondere Unterstützung der Sowjetischen Militäradministration (SMAD). Im Juli 1945 wird in der SBZ eine Einheitsfront gegründet, die aus Vertretern von CDU, SPD, Liberalen und KPD zusammengesetzt ist. Die Vertreter der drei Parteien haben der KPD nicht viel entgegenzusetzen. Durch die Hilfe der SMAD besetzt die KPD bereits wenige Monate nach Kriegsende die wichtigsten Machtfunktionen in der SBZ. (S. v. Hagen)

Soziale Marktwirtschaft

Der Begriff „soziale Marktwirtschaft“ taucht erstmals 1949 auf. Sie tritt jedoch schon mit der Aufhebung der Bewirtschaftung im Zuge der Währungsreform Währungsreform im Juni 1948 in Kraft. Sie soll fairen Handel und privates Unternehmertum ermöglichen und dabei gleichzeitig die sozial Schwachen schützen. . Das bedeutet, dass ein freier Markt, der weitestgehend ohne staatliche eingriffe funktionieren soll, gewährleistet wird. Der Staat sorgt jedoch gleichzeitig für soziale Sicherheit, indem er beispielsweise Kartellbildungen verhindert, durch Regulatorien Sicherheits- und Gesundheitsrisiken vorbeugt und die Rechte der wirtschaftlich Schwächeren schützt. Entwickelt wird die soziale Marktwirtschaft von Ludwig Erhard, Direktor des Wirtschaftsamtes der Bizone. (S. v. Hagen)

Stadt und Land

Bei allen Aussagen über ‚die Nachkriegszeit’ ist zu beachten, dass sich die Situation nach 1945 auf dem Land stark von der in der Stadt unterscheidet. Während die Städte in der Regel stark zerstört sind, gilt dies für die ländlichen Gebiete nicht. Die Ernährungslage ist auf dem Land wesentlich besser, die Bauern profitieren sogar von den sogenannten ‚Hamsterfahrten’ der Städter. Andererseits wird die große Zahl der Flüchtlinge vor allem von den ländlichen Gebieten aufgefangen. (J. Broll)

Stunde Null

Die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 markiert eine Zeitenwende in der deutschen Geschichte und wird daher oft als ‚Stunde Null’ bezeichnet. Der Begriff folgt der Interpretation, dass mit dem Zusammenbruch des NS-Staates die Chance für einen voraussetzungslosen Neuanfang entstand. Tatsächlich findet innerhalb weniger Stunden ein radikaler Machtwechsel statt: Zuvor Mächtige treten in den Hintergrund, zuvor Unterdrückte treten hervor. Ein schärferer Bruch in Gesellschaft, Kultur, Politik und Recht wird sich in der deutschen Geschichte schwer finden lassen. (J. Broll)

Währungsreform

Im Juni 1948 führen die westlichen Besatzungsmächte eine Währungsreform in den Besatzungszonen durch. Sie fällt radikal aus und bildet einen tiefen Einschnitt. Ohne eine neue stabile Währung wäre ein Aufstieg der Wirtschaft aber nicht möglich, da die enormen Kriegsschulden von 425 Milliarden Reichsmark den Neuanfang belasten.

Die Geldvermögen der Deutschen verlieren über Nacht 90% seines Wertes, Sachgüter sind nicht vom Wertverlust betroffen. Von 1.000 Reichsmark bleiben 64 Deutsche Mark (DM). Zusammen mit der Währungsreform wird auch die Bewirtschaftung und damit die festgelegten Preise für Waren, abgesehen von Nahrungsmittel, Miete und einigen Rohstoffe, aufgehoben. Binnen weniger Tage sind die Läden wieder gefüllt, die Preise für die angebotenen Waren sind jedoch enorm hoch und die Lage vieler Menschen verschlechtert sich. Erst Ende 1949 fallen die Preise wieder. (S. v. Hagen)

Zerstörung

Die Wohnsituation ist nach 1945, vor allem in den Städten, katastrophal: Ca. 30 Prozent sind zerstört, es dauert fast ein Jahrzehnt bis annähernd ausreichend Wohnraum geschaffen worden ist. Bis dahin kommen viele Ausgebombte bei Verwandten, Freunden oder Fremden unter, man lebt meist mit vielen Personen auf engstem Raum. Viele Frauen beteiligen sich als später sogenannte ‚Trümmerfrauen’ am Wiederaufbau. Auch die Infrastruktur ist zu großen Teilen zerstört. Die Industrie wiederum ist viel weniger beschädigt, als es auf den ersten Blick scheint. Hier liegt ein Potenzial, das jedoch zu Beginn nicht genutzt werden kann. (J. Broll)

Zwangsmobilisation

Die deutsche Gesellschaft der unmittelbaren Nachkriegszeit wird rückblickend häufig als ‚zwangsmobilisiert’ bezeichnet. 8 Mio. Deutsche, vor allem Kinder und Frauen, sind während des Krieges aus den Städten evakuiert worden. 12 Mio. Menschen finden sich nach ihrer Flucht aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten an einem anderen Ort wieder, weil sie vertrieben wurden oder geflohen waren. Hinzu kommen ca. 8-10 Mio. sogenannte „Displaced Persons“ (DPs), also ausländische Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge, die nach ihrer Befreiung in den vier Besatzungszonen leben. Insgesamt sind ca. 30 Mio. Deutsche und 10 Mio. Ausländer ‚entwurzelt’, was mehr als der Hälfte der 1945 in den vier Besatzungszonen lebenden Menschen entspricht. Die Einwohnerzahl steigt aufgrund der vielen aus dem Osten ankommenden Vertriebenen und Flüchtlinge stark um ca. 10 Prozent an. (J. Broll)

Zwei-Staaten-Lösung

Weder die Teilung noch die Einheit Deutschlands sind ein eigenes Ziel der Alliierten. Die vier Besatzungsmächte sind vor allem darum bemüht, möglichst viele von ihren eigenen Interessen umzusetzen. Die Vorstellungen der Franzosen, die vor allem auf Sicherheit und Reparationen bedacht waren, stehen dabei häufig in Widerspruch zu denen der Engländer und Amerikaner, die viel Wert auf Entnazifizierung und Umerziehung legten. Die Teilung des deutschen Staates verläuft in vier Phasen.

In der ersten Phase von 1945 – Juli 1946 (siehe Potsdamer Konferenz) dominierte noch der Einigungswille der Alliierten, es bildete sich jedoch bereits ein wachsendes Misstrauen zwischen der Sowjetunion und den Westmächten.

In der zweiten Phase von Juli 1946 – März 1947 treten die wirtschaftlichen Widersprüche der Besatzungsmächte stärker in den Vordergrund. Die amerikanische und die britische Besatzungszone schließen sich zu einer Wirtschaftseinheit (Bizone) zusammen.

In der dritten Phase von März bis Juni 1947 wachsen die Spannungen zwischen Ost und West an. Die Amerikaner rufen den Marshallplan ins Leben.

In der vierten Phase von Juni 1947 bis Juni 1948 manifestiert sich die Teilung Europas. Die Sowjetunion lehnt eine Beteiligung am Marshallplan, der sich auch an die osteuropäischen Länder richtet, ab. Es folgt eine schnelle Stabilisierung der Lager. Im Februar 1948 wird die Gründung Westdeutschlands in London ausgehandelt. Im Mai bzw. im Oktober gründen sich die zwei deutschen Staaten, die bis 1989 Bestand haben sollten. (S. v. Hagen).


Literatur:

Annedore Leber – Eine Biografie

Annedore Leber 1964 im amerikanischen Magazin Look, einem Konkurrenzblatt zum Life Magazin, das sich durch qualitätvolle Fotos auszeichnete. Zum 20ten Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler brachte Look eine Reportage über die Überlebenden und die Angehörigen vom 20. Juli 1944. Das Magazin, das 1971 sein Erscheinen einstellen musste, wird heute in der Library of Congress archiviert. (Bild: Privates Julius und Annedore Leber-Archiv)


Bisher war Annedore Leber bekannt als die Frau des Widerstandskämpfers Julius Leber, dessen Name auch heute noch einem interessierten Publikum bekannt ist. Er war Politiker und Journalist, Chef des Lübecker Volksboten und zugleich ein Lübecker Volkstribun, der Massen mobilisieren konnte und damit den Nazis von Anfang an ein Dorn im Auge. Leber war und blieb eine wirkungsmächtige Gestalt des deutschen Widerstands bis zu seiner Hinrichtung im Januar 1945. Annedore war nicht nur seine Frau, sie war eine Widerstandskämpferin aus eigenem Recht.

Ihr erwachsenes Leben war vom Widerstand gegen den Nationalsozialismus bestimmt, nach 1945 setzte sie sich vehement dafür ein, dass die Ideen, für die der Widerstand gekämpft hatte, umgesetzt wurden. In den 1950er und 60er Jahren wurde sie im öffentlichen Bewusstsein wie kaum jemand sonst in Westdeutschland mit dem Thema Widerstand in Verbindung gebracht, doch heute ist sie fast völlig in Vergessenheit geraten. Wer war Annedore Leber und warum lohnt es sich, an sie erinnern?

Die höhere Tochter aus Lübeck: 1904-1933

„Am 18.3.04 wurde ich in Berlin als Tochter des Oberstudien-Direktors Dr. Georg Rosenthal geboren. Besonders umhütet vom Elternhaus wuchs ich in der Welt bürgerlicher Vorrechte und selbstverständlicher Privilegien auf. Alles wurde mir aus dem Weg geräumt.

Selbst den Zwang einer Schule wollten meine Eltern mir vorenthalten. So machte ich denn immer privat und zum grossen Teil von meinem Vater selbst unterrichtet, im Jahre 1922 mein humanistisches Abitur und studierte, da ich zunächst keine festen Pläne hatte, erst einige Semester Jura in München. Hegte dann aber den Wunsch, Moderedakteurin zu werden und versuchte die Absicht später in Berlin durchzuführen.“ Dies gelang ihr, wenn auch unter ganz anderen Umständen als ursprünglich vorgesehen. 1927 heiratete Annedore Rosenthal den SPD-Politiker Julius Leber, „eine der heftigst umstrittenen Persönlichkeiten der alten Hansestadt … , in der mein Vater zu dieser Zeit das Amt des Direktors des Katharineums inne hatte.“ Das Paar lebte zunächst in Lübeck und hatte zwei Kinder, Katharina und Michael.

Leben im Nationalsozialismus: 1933 – 1937

Julius Leber war sehr früh ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und seinen Gegnern bestens bekannt. Sie wussten, wie einflussreich er war, deshalb wurde er 1933 sofort verhaftet und musste die nächsten Jahre in verschiedenen Gefängnissen und KZs ausharren. Annedore zog mit den Kindern nach Berlin.

Annedore Leber schrieb im Juni 1933 an ihren Mann: „Man sollte es nicht für möglich halten: Ich werde allmählich ein Asyl für Trostbedürftige, denen es rein äußerlich gesehen meist besser geht als mir. Warum kommt man gerade zu mir? Es kann doch wohl nur so sein, dass man spürt, dass mein Leben von einer Idee erfüllt ist und von ihr getragen wird, also, will man doch wohl von mir das, was man Mut und Kraft nennt.“

Seine Frau war für Julius Leber in der Haft von allergrößter Bedeutung, sie half ihm nicht nur materiell, sie kämpfte nicht nur für seine Freiheit, sie war für ihn mit ihrem „Optimismus eine Kraftquelle ohnegleichen“. Er war stolz auf sie und schrieb ihr im August 1933: „Im letzten Brief vergaß ich das zu schreiben. Paulus, ich empfinde deinen Mut, deine Tapferkeit und deinen Stolz als etwas für mich ungeheuer Großes, und ich bin stolz auf dich und bewundere dich manchmal in meiner Zelle.“

„In dieser Zeit blieb es mir überlassen, meine Familie zu ernähren und unsere Verhältnisse irgendwie zu meistern. Ich eröffnete mir kurz entschlossen ein Modegeschäft und legte meine Meisterprüfung in einer Zeit ab, wo ich Tag um Tag durch Gestapostellen, Ministerien und KZ-Lagern meinem Mann nachjagte.“

Ein scheinbar normales bürgerliches Leben: 1937-1944

Tatsächlich gelang es ihr, dass Julius Leber am 5. Mai 1937 aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen entlassen wurde. Leber verließ das KZ ungebrochen und nahm sofort den Kontakt zu alten Freunden wieder auf. Nach außen führte die Familie Leber ein unauffälliges Dasein, nach innen konspirierte sie heftig gegen die Nazis. Annedore war weiterhin als Geschäftsfrau tätig. Julius, der in einem Staat ohne freie Presse nicht länger Journalist und in einer Diktatur ohne Parlament nicht länger Politiker sein konnte, bekam über sein sozialdemokratisches Netzwerk Arbeit in einer Kohlenhandlung, damals ideal für konspirative Treffen, heute ein Gedenkort.

Julius und Annedore Leber waren in die Vorbereitungen für das Attentat und den Staatstreich involviert. Beide waren an den Plänen für eine Nachkriegsordnung, die im sogenannten Kreisauer Kreis, dem Freundeskreis um Helmuth James von Moltke und Peter Yorck von Wartenburg diskutiert wurden, beteiligt.

Verhaftung und Tod: 1945

Im Juli 1944, noch vor dem Attentat Stauffenbergs, wurde Julius Leber aufgrund einer Denunziation erneut verhaftet. Er war in der neuen Regierung, die schnellstmöglich das Machtvakuum nach dem Tod Hitlers hätte füllen sollen, als Innenminister vorgesehen. Doch nachdem der Staatstreich niedergeschlagen worden war, wurden Tausende verhaftet. Durch Folter kamen die Nazis an immer mehr Namen. Überrascht und entsetzt mussten sie feststellen, wie groß der Kreis der Verschwörer gewesen war. Auch Julius Lebers Beteiligung kam ans Licht. Er war ein enger Freund Stauffenbergs gewesen. Der Widerstand hatte hier, wie auch in anderen Fällen, Menschen zusammengebracht, ja sogar zu Freunden gemacht, die sich sonst nie begegnet wären.

In einem seiner letzten Briefe schrieb Julius Leber an seine Frau: „Meine Seele hat ihre Heimat gefunden! … Und ich glaube und weiß jetzt, daß man einem anderen Menschen nichts Höheres und Besseres sagen kann, als daß er für einen die Heimat seiner Seele sei. … – für mich bist Du es!“

Annedore ihrerseits versicherte ihrem Mann: „Glaube und vertraue mir: Durch den großen Reichtum unserer Ehe habe ich die Kraft und die Stärke, die das Schicksal von mir fordert. Und Deine tiefe Kraft, die mir aus Deinen wunderbaren Worten entgegenflutet, trägt und stützt mich heute und in den Jahren, die vor mir liegen. Mein lieber, guter alter Julien, ich habe Dir nur zu danken, immer und immer. Und Deine große Liebe zu mir, die ich so genau kenne, wird immer und in alle Ewigkeit um mich bleiben.“

Julius Leber wurde am 5. Januar 1945 in Berlin/Plötzensee hingerichtet.

Neuanfang? 1945/46

Annedores Trauer war enorm. Bald nach dem Tode ihres Mannes kam sie nach Hordorf bei Magdeburg, wo sie ihre Kindern untergebracht hatte, ganz in schwarz – sie sollte für den Rest ihres Lebens nur noch schwarz tragen – und war von ihrem Schmerz überwältigt. Sie aß kaum etwas, ihre Tochter hörte sie nächtelang weinen. Die Rastlose wurde tatenlos und kehrte lange nicht nach Berlin zurück, wo es für sie nichts mehr zu tun gab.

Doch es gelang ihr tatsächlich, die im Widerstand erfahrene Gemeinsamkeit in Kraft zu verwandeln. Und so fasste sie folgenden Entschluss: Sie würde die Nachlassverwalterin des Widerstands werden. Der Tod ihres Mannes durfte nicht umsonst gewesen sein, die Ziele, für die der Widerstand gekämpft hatte, sollten umgesetzt werden. In einer Rede vor der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit kurz nach Kriegsende formulierte Leber selbstbewusst: „Ich glaube also, daß ich den Anspruch habe, jetzt meine Stimme erheben zu dürfen.“

Und das tat sie. Unermüdlich. Als Journalistin, Politikerin, Autorin und Verlegerin war sie in der deutschen Nachkriegsgesellschaft präsent. Sie wollte ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger, die es in der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ verlernt hatten, Verantwortung zu übernehmen, wieder zu mündigen Menschen erziehen. Ihre besondere Zielgruppe waren Frauen. In zahllosen Reden und Zeitungsartikeln appellierte Annedore Leber an ihre Zeitgenossinnen, sich ihrer Kraft und ihrer Verantwortung bewusst zu werden. Ein Artikel im Telegraf, einer der ersten deutschen Zeitungen in Berlin nach dem Krieg, deren Lizenznehmerin sie war, rief sie die deutschen Frauen unter dem Titel „Nur Mut!“ zur politischen Arbeit auf: „Was im Grunde den Frauen fehlt, ist ein gewisses Zutrauen zu sich selbst. Anders als viele ihrer selbstbewussten männlichen Kollegen fürchten sie einen Mangel an Vorkenntnissen, einen nicht zureichenden Einblick in größere Zusammenhänge, Lücken des Wissens und der Erfahrung auf politischem Gebiet. … Die Zeit erlaubt keinem von uns zu ruhen und auf ein Wunder zu hoffen. Was aus Deutschland wird, liegt bei uns selbst. Es liegt zum großen Teil in der Hand der Frau. Also ihr Frauen, nur Mut!“ (Telegraf, 4. Mai 1947). Die Zeitschrift Mosaik ist in diesem Kontext zu sehen. Sie sollte, neben politischer Information und praktischer Lebenshilfe, Erziehung zur Demokratie bewirken.

Der eigene Verlag: 1950er

Anfang der 1950er Jahre gründete Annedore Leber ihren eigenen Verlag, den Mosaik-Verlag (später Annedore-Leber-Verlag), um auf diesem Weg ihr Ziel, das Erbe des Widerstands für die junge deutsche Demokratie fruchtbar zu machen, weiterzuverfolgen. Das erste Buch, das 1952 im Mosaik Verlag erschien, war „Ein Mann geht seinen Weg“. Zusammen mit dem ehemaligen sozialdemokratischen Weggefährten und Widerstandskämpfer Gustav Dahrendorf gab Annedore Leber Schriften, Reden und Briefe von Julius Leber heraus: Leber sollte Vorbild sein für die junge Generation.

Ähnlich wie Annedore Leber kämpfte auch Die Zeit, allen voran Marion Gräfin Dönhoff, um die Anerkennung der Leistungen des Widerstands. Beide Frauen waren fest entschlossen, diese negative Haltung ihrer Mitbürger durch journalistische Aufklärung zu verändern. Jedes Jahr zum 20. Juli erinnerte Dönhoff mit einem großen Artikel an die Ereignisse, ein Gedenken, das schließlich 1964 in dem Satz gipfelte: „Hat irgend ein Volk größere Helden als diese?“ (Die Zeit, Nr. 29, 19. Jahrgang, 17. Juli 1964, Titelseite.)

Ob allerdings die Widerstandskämpfer, hätten sie überlebt, in der Politik nach 1945 so erfolgreich geworden wären, wie Annedore Leber sich das vorstellte, ist keineswegs sicher. Denn ein umfassender Mentalitätswandel hatte in Deutschland noch nicht stattgefunden. Der Widerstand fand keine Anerkennung. Diejenigen, die ihr Leben geopfert hatten für diesen neuen deutschen Staat, galten in den Augen vieler Zeitgenossen als Landesverräter.

Obwohl die breite Anerkennung des Widerstandes noch jahrzehntelang ausblieb, gab es ein deutliches Interesse am Thema selbst. 1954 erschien Annedore Lebers „Das Gewissen steht auf“, ein Buch mit kurzen biografischen Skizzen von Widerstandskämpfern und –kämpferinnen. Es war sofort enorm erfolgreich, die Auflagen gingen schließlich in die Hunderttausende. „Denken Sie nur, die zweite Auflage unseres Buches war diesmal schon in 10 Tagen vergriffen“, konnte Annedore noch im Erscheinungsjahr dem Schriftsteller Kasimir Edschmid berichten (Nachlass Kasimir Edschmid im Deutschen Literaturarchiv Marbach).

Annedore Leber gab weitere Bücher heraus, so einen Folgeband mit Biographien, der 1957 erschien: „Das Gewissen entscheidet“. Ab 1956 arbeitete Annedore Leber zusammen mit Freya von Moltke an einem Schulbuch, das 1960 unter dem Titel „Für und Wider“ erschien. Es war eine Darstellung der jüngsten Vergangenheit für junge Leser und behandelte die Weimarer Republik und die Zeit des Nationalsozialismus.

Die politische Arbeit: 1960er

Denn neben den Frauen galt vor allem den Jugendlichen Lebers besonderes Augenmerk. Insofern war es nur folgerichtig, dass sie sich entschloss, den Vorsitz des Vereins Handwerker-Lehrstätte e.V. in Berlin-Britz zu übernehmen, wo Jugendliche in Berufen der Metall- und Holzverarbeitung ausgebildet wurden, die Mädchen erhielten (natürlich) Hauswirtschaftsunterricht. Ausbildungs- und Arbeitsplätze waren für Annedore Leber Grundlagen, um die Demokratie zu festigen. 1974 wurden die Werkstätten als „Annedore-Leber-Berufsbildungswerk“ neu gegründet, heute werden dort fast 400 Jugendliche mit Handicap in 30 Lehrberufen ausgebildet.

Gleichzeitig veröffentlichte der Mosaik-Verlag Bücher und Broschüren über Ausbildung und Ausbildungsberufe. Was auf den ersten Blick so unschuldig daherkommt, erweist sich bei näherem Hinsehen als knallharte anti-kommunistische Propaganda, auch das gehörte zu Annedore Lebers politischem Programm nach 1945. Doch damit nicht genug, war Leber auch noch für die SPD politisch tätig: Mitglied der Stadtverordnetenversammlung von Berlin 1946-1950; Bezirksverordnete von Berlin-Zehlendorf 1954–1962; schließlich ab 1963 bis 1967 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses.

Seit 1955 war sie auch im Personalgutachter-Ausschuss für die Streitkräfte, außerdem Mitglied der deutschen UNESCO-Kommission.

Der kompromisslose Einsatz, den sie beharrlich von sich forderte, obwohl gesundheitliche Probleme sie zu mehr Rücksichtnahme auf sich selbst hätten veranlassen müssen, führte wohl dazu, dass sie am 28. Oktober 1968 mit nur vierundsechzig Jahren starb. 1964 hatte ihr der Bundespräsident zu ihrem 60ten Geburtstag gratuliert. Im selben Jahr hatte es im amerikanischen Magazin Look einen Artikel über deutsche Widerstandskämpfer gegeben, Annedore Leber war die Titelfigur. Eine große Beerdigung mit vielen Trauergästen auf dem Berliner Waldfriedhof Zehlendorf war die letzte Ehrung, die der Widerstandskämpferin zu Teil wurde, wenig später war der Name Annedore Leber fast völlig in Vergessenheit geraten. Die – notwendige und überfällige – Konzentration der post-1968er-Gesellschaft auf die Erforschung der NS-Täter drängte das Thema Widerstand zunächst in den Hintergrund. Als man sich im Zuge einer allgemeinen Neuorientierung der Erforschung des Nationalsozialismus im Laufe der 1980er Jahre auch dem Widerstand neu und anders näherte, erinnerte man sich, jenseits des inneren Kreises der Überlebenden und Angehörigen, kaum noch an Annedore Leber. Aber es lohnt sich, diese authentische, überzeugte und aktive Demokratin neu zu entdecken.

© Frauke Geyken


Literatur

Alle nicht näher gekennzeichneten Zitate stammen aus:

  • Beck, Dorothea: Julius Leber. Sozialdemokrat zwischen Reform und Widerstand. Mit den Briefen aus dem Zuchthaus, Berlin 1983.
  • Geyken, Frauke: Wir standen nicht abseits. Frauen im Widerstand gegen Hitler, C.H. Beck, München 2014.

Quellen, weiterführende Literatur und Links:

  • Dertinger, Antje: Heldentöchter, Bonn, Dietz Nachf. 1997.
  • Döhl, Dörte: Geschichte einer Kohlenhandlung in Schöneberg Bruno Meyer Nachfolger, Torgauer Straße 24-25. In: Berliner Geschichtswerkstatt e.V. (Hrsg.): Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Berlin. Dokumentation zur gleichnamigen Veranstaltungsreihe der Berliner Geschichtswerkstatt e.V. (pdf), Januar bis Juni 2014. Berlin (Eigenverlag der Berliner Geschichtswerkstatt e.V.) 2014. S. 88-100.
  • Geyken, Frauke: Freya von Moltke. Ein Jahrhundertleben 1911-2010. München, C.H. Beck 2011.
  • Kardorff, Ursula von: Berliner Aufzeichnungen. 1942 bis 1945. Unter Verwendung der Original-Tagebücher neu herausgegeben und kommentiert von Peter Hartl. München (Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG) 1997².
  • Leber, Annedore, Moltke, Freya Gräfin von: Für und wider. Entscheidungen in Deutschland, 1918-1945, Berlin, Mosaik Verlag 1961.
  • Meding, Dorothee von: Mit dem Mut des Herzens. Die Frauen des 20. Juli, Berlin 1992.
  • http://www.gdw-berlin.de/home/
  • http://www.fembio.org/biographie.php/frau/specials/widerstandskmpferinnen
  • http://www.gedenktafeln-in-berlin.de/nc/gedenktafeln/gedenktafel-anzeige/tid/annedore-leber/

Filme

  • Bretschneider, Heike: Annedore und Julius Leber: Eltern im Widerstand. Produktion: Sender Freies Berlin 1994. 44 Minuten.
  • Mühlen, Irmgard von zur: Die Frauen des 20. Juli 1944, Berlin 1985.